Andacht Heute

Das Erkennungsmerkmal der Einheit: Liebe und Friede

Ich gebe euch jetzt ein neues Gebot: Liebt einander! So wie ich euch geliebt habe, so sollt ihr euch auch untereinander lieben. An eurer Liebe zueinander wird jeder erkennen, dass ihr meine Jünger seid.
Johannes 13,34-35

Die Einheit der Gemeinde, um die Jesus betete, zeigt sich in sichtbaren Charaktermerkmalen: In Liebe untereinander und innerem Frieden. Jeder kann dem wohl zustimmen, jedoch wird erst die Praxis zeigen, ob wir auch entsprechend handeln. Stellen wir uns vor, zwei Mitarbeiter einer Gemeinde geraten über eine Entscheidung in Streit. Normalerweise, weltlich gedacht, sind die Folgen: Stille Kränkung, Rückzug und Lagerbildung. Ein christliches Zeichen der Einheit wäre es, wenn beide sagen: „Komm, lass uns beten, bevor wir weiterreden.” Weil sie ihren Konflikt Gott übergeben, sind sie bereit, einander zuzuhören. Es geht ihnen dann nicht mehr darum, sich durchzusetzen, sondern um das Wohl der Gemeinde. Liebe bedeutet dann, den anderen ernst zu nehmen, auch wenn man ihn nicht immer versteht. Wenn man sich nicht von den Emotionen treiben lässt, kehrt Frieden ein. Und Einheit ergibt sich, wenn sich beide am Ende sagen: „Wir bleiben Geschwister, auch wenn wir nicht einer Meinung sind.”

Gebet
Herr Jesus Christus, du hast für die Einheit deiner Gemeinde gebetet. Nicht für eine Einheit aus Worten, sondern für eine Einheit, die man sehen kann: in Liebe, im Zuhören, im Frieden, den du schenkst. Mach uns zu Menschen, die Frieden stiften. Erfülle uns mit deinem Geist, damit deine Liebe unter uns sichtbar wird und dein Friede unsere Herzen bewahrt. Amen.

Was Jesus wirklich wichtig war

Sie alle sollen eins sein, genauso wie du, Vater, mit mir eins bist.
Johannes 17,21

In seinem Abschiedsgebet in Johannes 17 hat Jesus eine der tiefsten Sehnsüchte für seine Nachfolger formuliert: Sie sollen eins sein, so wie er und der Vater eins sind. Diese Einheit sollte das sichtbare Markenzeichen der weltweiten Gemeinschaft aller Gläubigen sein – eine Einheit, die über Konfessionsgrenzen hinweg den Leib Christi bildet. Wenn man sich heute die Webseiten und Aushänge vieler Gemeinden anschaut, sieht man oft das Gegenteil: Detaillierte dogmatische Lehrpunkte dienen primär dazu, sich von anderen christlichen Gruppen abzugrenzen. Statt Brücken zu bauen, errichten wir Mauern aus Definitionen.

Dieser Widerspruch führt uns zu einer radikalen Selbstprüfung: Haben wir den Wunsch Jesu durch ein System theologischer Kontrollen ersetzt? Wir als Nachfolger sollten uns fragen: Bringt das akribische Sammeln von korrektem Wissen, wie Jesus es fordert, wirklich die von ihm gewünschte Einheit hervor? Oder zeigt sich diese Einheit doch erst, wenn das Wissen in gemeinsames Handeln umgemünzt wird?

Unser Glaubensbruder Volker Blockhaus hat in der 9. Episode seiner Reihe über „Gemeinde–Glaube–Bibel“ gezeigt, dass sich anhand der Verse aus dem Evangelium von Jesus selbst eine deutliche Gewichtung erkennen lässt. Sein Maßstab für die Nachfolge ist praktisch, nicht theoretisch. Wir sind aufgerufen, anderen Menschen zu vergeben (Mt 6,14–15), uns zu Jesus zu bekennen (Mt 10,32), Vertrauen in ihn zu haben (Joh 5,24) und bereit sein, das Kreuz zu tragen (Lk 9,23). Entscheidend ist also nicht theologisches Expertenwissen, sondern unsere Vergebungsbereitschaft, die Bereitschaft zum öffentlichen Bekenntnis, unser Glaube, der auf Vertrauen und Treue beruht und unsere Leidensbereitschaft.

Gegenseitige Ermutigung ist wichtig

Seht zu, Brüder, dass nicht etwa in jemandem von euch ein böses Herz des Unglaubens ist, im Abfall vom lebendigen Gott, sondern ermuntert einander jeden Tag, solange es „heute“ heißt, damit niemand von euch verhärtet wird durch Betrug der Sünde!
Hebräer 3,12-13

Wenn hier vom „Betrug der Sünde” gesprochen wird, bedeutet das vielleicht, dass man sich etwas vormacht, beispielsweise, dass es nicht darauf ankomme, wie man lebt. Man könne sich ja ein wenig von Gott entfernen und dann wieder zu ihm zurückkommen. Dagegen spricht jedoch dieses „heute”. Es könnte nicht nur schnell zu spät sein, sondern es ist ebenso gefährlich, weil es unsere Herzen in einer Weise verhärtet, die uns vom richtigen Weg abbringt. Hier hilft die Gemeinschaft mit Gläubigen. Nur gegenseitige Ermutigung schützt vor innerer Verhärtung. Aus weltlichen Kreisen hört man – gerade aktuell als Reaktion auf das öffentliche Gebet unserer WM-Spieler Nmecha und Tah – gern den Satz: „Der Glaube ist Privatsache.“ Das ist jedoch nicht richtig. Glaube ist zwar persönlich, das heißt, er betrifft mein Gewissen und meine Beziehung zu Gott. Er ist aber nicht privat im Sinne von „Glaube soll bitte im stillen Kämmerlein bleiben”.

Jesus ruft Menschen in eine Gemeinschaft, nicht in eine Privatfrömmigkeit. Es gibt keinen Grund, den Glauben an Gott aus dem öffentlichen Leben zu verbannen. Nur gegenseitige Ermutigung schützt uns vor innerer Verhärtung. Glaube ist nicht privat. Glaube ist ein Mannschaftssport. Wir sollten uns deshalb gegenseitig ermutigen, um nicht wankelmütig zu werden.

Gebet
HERR, bewahre uns vor dem leisen Weggehen von dir. Mach uns wach und aufmerksam füreinander, damit wir uns täglich gegenseitig stärken. Amen.