Andacht Heute

Wenn unsere Kräfte schwinden

Mein Mund ist voll von deinem Lob, von deinem Ruhm den ganzen Tag. Verwirf mich nicht zur Zeit des Alters; beim Schwinden meiner Kraft verlass mich nicht!
Psalm 71,8-9

Der Psalmist lobt Gott für alles, was er ihm zu verdanken hat, und drückt seine Freude aus. Gleichzeitig spricht er eine Befürchtung an, wenn er an sein Alter denkt: Seine Kräfte werden schwinden, die Angst wird sich einstellen, vergessen zu werden, aus Selbstbestimmtheit wird Hilfsbedürftigkeit und Abhängigkeit. Da verdrängt er nichts in seinem Jubel. Es werden auch schwierige Zeiten auf ihn zukommen, und genau dann wird die Nähe zu Gott noch wichtiger.

Im Alter stellt sich jedem Menschen die Frage, was ihn wirklich trägt im Leben. Wohl dem, der sich in Gott geborgen weiß und ihm vertraut. Er lobt Gott und bittet gleichzeitig: „Verlass mich nicht, wenn meine Kraft schwindet.” Das ist keine Schwäche des Glaubens, sondern eine ehrliche Haltung, bei der die Realität nicht ausgeklammert wird. Der Mund kann voll Lob sein, weil das Herz weiß: Gott hält mich, auch wenn meine eigenen Kräfte mich nicht mehr tragen können. Er ist uns treu in allen Lebensphasen.

Gebet
HERR, mein Leben liegt in deiner Hand – von Jugend an bis heute. Fülle meinen Mund mit deinem Lob, auch an den Tagen, an denen meine Kräfte kleiner werden. Amen.

Wenn Fragen offen bleiben

Verlass dich auf den HERRN von ganzem Herzen und verlass dich nicht auf deinen Verstand.
Sprüche 3,5

In meiner Andacht „Die Erklärungsnot der Materialisten“ habe ich versucht, zu schildern, dass sich die Philosophie bis heute mit dem Leib-Seele-Problem schwertut. Der Mensch wird es wohl niemals von sich aus lösen können. Wir modernen Menschen haben uns daran gewöhnt, dass es für jedes Problem eine Lösung gibt. Wir googeln, wir messen, wir analysieren. Wenn wir etwas nicht erklären können, fühlen wir uns unwohl. Wir überfordern uns jedoch selbst, wenn wir glauben, wir müssten jedes Rätsel lösen, um Sicherheit in unser Leben zu bringen.

Die Bibel zeigt uns einen Ausweg aus diesem Erklärungszwang. Es ist keine Flucht vor den auftauchenden Fragen, sondern ein Eintauchen in die Geborgenheit trotz vieler Fragen. Unser Vers bedeutet nicht, dass wir nicht denken sollen. Wir sollen nur nicht unseren Verstand zu unserem Gott machen. Wir dürfen dem einzigen, lebendigen Gott vertrauen, auch wenn wir nicht alles verstehen. Christlicher Glaube ist kein intellektueller Rückzug, sondern eine Entlastung. Ich muss nicht alles erklären, weil ich in den Händen dessen bin, der alles versteht.

Gebet
HERR, unser großer Gott, du siehst unsere Fragen und unsere Grenzen. Gerade, weil wir so vieles nicht verstehen, dürfen wir uns auf deine Weisheit verlassen und aus ihr leben. Amen.

Ein starker Trost

Befiehl dem HERRN deinen Weg, und vertraue auf ihn, so wird er es vollbringen.
Psalm 37,5

Paul Gerhardt (1607-1676) hat den Text zum Lied „Befiehl du meine Wege“ geschrieben. Die Melodie stammt von Georg Philipp Telemann. Das Lied hat vielen schon Hoffnung geschenkt in finsteren, unsicheren Zeiten. Die erste Strophe beginnt so:

Befiehl du deine Wege
und was dein Herze kränkt
der allertreusten Pflege
des, der den Himmel lenkt.
Der Wolken, Luft und Winden
gibt Wege, Lauf und Bahn,
der wird auch Wege finden,
da dein Fuß gehen kann.

Wir müssen also nicht selbst den Weg finden, sondern uns an Gott halten, der alles lenkt. Wir dürfen loslassen und müssen nicht alles selbst ordnen, was vor uns liegt. Es ist der Herr, der die Wege findet. Auch für dich und mich, selbst wenn zunächst keiner sichtbar ist. Es ist ein sehr entlastender Gedanke, dass ich meinen Weg Gott anvertrauen darf. Wenn Gott die großen Kräfte der Welt lenkt, dann wird er auch meinen nächsten Schritt führen. Seine Gegenwart ist eine verlässliche Führung, die Orientierung, Sicherheit und Trost schenkt und uns mit Vertrauen nach vorne gehen lässt.