Andacht Heute

Der Zorn Gottes

Jesus ging in den Tempel und wies alle hinaus, die dort Handel trieben oder etwas kauften. Er warf die Tische der Geldwechsler und die Sitze der Taubenverkäufer um und sagte zu ihnen: „Es heißt in der Schrift: ‚Mein Haus soll ein Haus des Gebetes sein.‘ Ihr aber macht eine Räuberhöhle daraus!“
Matthäus 21,12

Es ist falsch, wenn behauptet wird, nur im Alten Testament käme der Zorn Gottes vor. Im Neuen Testament habe Jesus einen „lieben Gott“ verkündet. Auch Jesus konnte zornig werden, zum Beispiel über diejenigen, die mit dem Glauben Geschäfte machten, was ja auch heute noch vorkommen soll. Es ist ein Irrtum zu glauben, dass Liebe immer nur zärtlich und verständnisvoll sein müsse. Auch die besten Eltern sind nicht solche, die ihren Kindern alles durchgehen lassen.

Nicht wenige Menschen haben eine falsche Vorstellung, wie sie dem strafenden Zorn Gottes entgehen können. Wie die Heiden ihren Göttern Opfer darbringen, so wollen sie Gott gnädig stimmen und besänftigen. Deshalb spenden sie, machen Bittgänge oder kasteien sich durch Entbehrungen. In der Schrift steht aber nirgends, dass wir Opfer bringen sollen. Die Initiative geht allein von Gott aus. ER macht uns das erlösende Angebot der Versöhnung.

Ja, in der Person von Christus hat Gott die Welt mit sich versöhnt, sodass er den Menschen ihre Verfehlungen nicht anrechnet; und uns hat er die Aufgabe anvertraut, diese Versöhnungsbotschaft zu verkünden.
2. Korinther 5,19

    Den Geist wirken lassen

    Der Geist macht lebendig, menschliches Bemühen nützt nichts. Aber die Worte, die ich euch gesagt habe, sind von diesem Geist und von Leben erfüllt.
    Johannes 6,63

    Jesus erklärt in seiner großen Rede an seine Jünger, dass jede irdische Interpretation seiner Worte falsch ist. Nur wenn wir uns vom Geist leiten lassen, bringen sie das Leben, das uns für alle Ewigkeit geschenkt ist. Wenn wir solche Worte hören, sollten wir innehalten, denn sie machen uns darauf aufmerksam, dass wir nur zu gerne alles, was auf uns zukommt, mit menschlichen Maßstäben messen. Wir orientieren uns an unseren eigenen Erfahrungen, Werten und Emotionen. Das kann im Alltag durchaus hilfreich sein. Wir können nicht alles, was am Tag zu bewältigen ist, gleich zu einer Grundsatzfrage machen, sonst wären wir handlungsunfähig. Wenn es aber um unser geistliches Leben geht, dann sind wir mit unserem üblichen Bordwerkzeug sehr eingeschränkt. Da helfen uns keine Alltagsweisheiten, da brauchen wir das lebendige Wort Gottes. Der Heilige Geist wirkt und handelt in uns, wenn wir es zulassen. Was dabei geschieht, können wir mit all unserem Verstand nicht vorausberechnen. Oft geschieht etwas ganz anderes, als wir erwarten. Und es kann sein, dass wir plötzlich mit dem Herzen erkennen, was mit dem Kopf allein nicht möglich gewesen wäre.

    Und der Friede Gottes regiere in euren Herzen; zu diesem seid ihr ja auch berufen in einem Leib; und seid dankbar!
    Kolosser 3,15

    Texte verstehen wollen

    Philippus lief hin und hörte, wie der Mann laut aus dem Buch des Propheten Jesaja las. Er fragte ihn: »Verstehst du denn, was du da liest?« Der Äthiopier sagte: »Wie kann ich es verstehen, wenn mir niemand hilft!« Und er forderte Philippus auf, zu ihm in den Wagen zu steigen.
    Apostelgeschichte 8,30-31

    In Bezug auf Leseleistungen wird häufig Elke Heidenreich angeführt, die angeblich 400 Seiten am Tag schaffen würde. Ob das stimmt, sei dahingestellt. Ich halte es jedenfalls nicht für erstrebenswert, solche Textmassen in so kurzer Zeit zu bewältigen. Natürlich gibt es bei Büchern große Unterschiede. Unterhaltungsromane kann man schnell überfliegen, bei der Bibel ist das nicht der Fall. Ich bin erstaunt, wie oft mich darin ein einziger Vers „aufhalten“ kann. Manchmal beschäftigt er mich mehr als eine Stunde. Wenn ich ihn dann nach einiger Zeit wieder lese, kann es sein, dass mich weitere Aspekte zum Nachdenken bringen.

    Im vorliegenden Vers will ein reicher Äthiopier mehr wissen über ein prophetisches Buch. Philippus stellt ihm die naheliegende Frage, ob er damit etwas anfangen könne. Der Äthiopier ist keiner, der nur oberflächlich liest und dem es nur um die Quantität der Lektüre geht. Er will verstehen, was im Text steckt. Und er hat erkannt, dass er Hilfe braucht. Philippus soll es ihm erklären. Wir würden heute auch jemanden fragen, den wir für kompetent halten, wenn wir eine Textstelle nicht verstehen. Es gibt inzwischen auch viele Bibelkommentare, die uns dabei helfen können. Wichtig ist, dass wir verstehen wollen. Ich habe ein schönes Bild zu diesem Thema gefunden. Schmetterlinge überschweben die Blumen einer Wiese nicht nur, sondern sie lassen sich auf ihnen nieder und saugen die für sie wichtige Nahrung in sich auf. Auch wir sollten die Bibel nicht nur überfliegen, sondern in ihren kostbaren Inhalt eintauchen und uns von ihm erquicken lassen.