Andacht Heute

Lest sorgfältig die Briefe

Daher, liebe Geschwister, bleibt standhaft und haltet an den Lehren fest, die wir an euch weitergegeben und in denen wir euch unterrichtet haben, sei es mündlich oder brieflich.
2. Thessalonicher 2,15

    Paulus meint hier gerade nicht die religiösen Traditionen, die von den Schriftgelehrten weitergegeben werden, sondern einzig die Überlieferungen der Apostel. Wenn wir heute die Bibel aufmerksam lesen, dann ist es wichtig, dass wir uns nur an diese Lehre halten. Alle Glaubensregeln, die in christlichen Gemeinschaften hervorgehoben werden, sollten mit den apostolischen Schriften verglichen werden. Deshalb sind die Briefe des Neuen Testaments auch so wichtig, weil sie sich neben der Vermittlung der Grundlagen der Lehre auch damit auseinandersetzen, was alles an Irrwegen in den Gemeinden auftauchen kann. In ihnen wird keineswegs, wie manche befürchten, auf Gesetzlichkeit gepocht. Paulus betonte, dass Christen durch den Glauben an Jesus Christus von der Sklaverei des Gesetzes befreit sind. Seine Briefe sind eher eine Warnung vor Gesetzlichkeit als ein Weg dorthin.

    Die Liebe tut dem Mitmenschen nichts Böses an. Darum ist die Liebe die Erfüllung des Gesetzes.
    Römer 13,10

    Wo bleibt die Freude?

    Jetzt aber, da ihr Gott erkannt habt, ja vielmehr von Gott erkannt seid, wieso wendet ihr euch wiederum den schwachen und armseligen Grundsätzen zu, denen ihr von Neuem dienen wollt?
    Galater 4,9

    Mit diesen Grundsätzen wird die Vorstellung der Gesetzlichkeit verbunden, dass sich also der Mensch durch gute Werke oder der Befolgung des Gesetzes Erlösung verdienen kann. Für Paulus ist dies ein rückständiges, schwaches und armseliges Verhalten. Luther betonte die Rechtfertigung allein durch den Glauben (sola fide). Sie besagt im Wesentlichen, dass der Mensch durch den Glauben an Jesus Christus von seinen Sünden gerechtfertigt ist und nicht durch eigene Werke oder Verdienste. Manche Glaubensgemeinschaften betrachten das christliche Leben als eine Liste von Geboten und Verboten, die strikt einzuhalten sind. Wenn dabei nicht die zugrunde liegende Gnade und Liebe Gottes gesehen wird, wird dies besonders von jüngeren Christen als belastend und freudlos emfunden und kann dazu führen, dass sie sich von diesen Gemeinden und sogar vom Glauben selbst abwenden. Paulus fragt die Galater:

    Was ist nur aus eurer Freude geworden?
    Galater 4,15

    Paulus meint damit nicht ein flüchtiges Gefühl, sondern eine tiefe und beständige Freude, die aus der Beziehung zu Gott und dem Wirken des Heiligen Geistes stammt. Ein solcher Christ befolgt die Gebote der Bibel ohne Anstrengung. Er tut dies aus innerer Zufriedenheit und Dankbarkeit heraus, die aus seinem Glauben und Vertrauen in Gott erwächst.

    Die geschenkten Geistesgaben

    Ich rufe daher aufgrund der Vollmacht, die Gott mir in seiner Gnade gegeben hat, jeden Einzelnen von euch zu nüchterner Selbsteinschätzung auf. Keiner soll mehr von sich halten, als angemessen ist. Maßstab für die richtige Selbsteinschätzung ist der Glaube, den Gott jedem in einem bestimmten Maß zugeteilt hat.
    Römer 12,3

    Die geistlichen Gaben, die Gott uns in seiner Gnade geschenkt hat, sind von unterschiedlicher Art und Menge. Sie werden auch Charismen genannt. Wenn im heutigen Sprachgebrauch von charismatischen Personen die Rede ist, dann sind damit Menschen gemeint, die eine besondere Ausstrahlungskraft auf andere Menschen haben. Sie stehen gerne im Mittelpunkt, wirken sympathisch, interessant und redegewandt. Leider haben wir alle schon erlebt, dass Gaben im weltlichen Sinn auch egoistisch ausgenutzt werden. Charismatische Führungspersönlichkeiten sind aufgrund ihres übersteigerten Egos oft übermäßig selbstbezogen. Sie halten sich für wichtig und unersetzlich. Ihr Hang zum Machtmissbrauch ist oft unverkennbar, wenn sie sich persönliche Vorteile, finanzielle Gewinne und Privilegien verschaffen wollen. Oft geschieht dies auf manipulative Weise.

    Auch christliche Leiter sind manchmal nicht frei von solchen negativen Auswirkungen ihrer starken Ausstrahlung. Für sie gilt jedoch der Maßstab, den Willen Gottes zu erfüllen und nicht den eigenen. Die verliehenen Gaben sollen die Gemeinde stärken und den Glauben fördern. Einige dieser Charismen wie Prophetie, Zungenrede und Heilungswunder gab es zur Zeit Jesu. Heute finden sich noch Menschen, die mit Weisheit, Erkenntnis und großer Glaubenskraft begabt sind. Wenn sie sich nicht selbst überschätzen und sich der Gnade bewusst sind, werden sie diese Gaben segensreich einsetzen.