Andacht Heute

Geschenkt ist geschenkt

Da wir nun aus Glauben gerechtfertigt sind, so haben wir Frieden mit Gott durch unseren Herrn Jesus Christus.
Römer 5,1

Das ist so ein Satz, den wir gelassen lesen und uns zufrieden zurücklehnen können. Jedenfalls könnte es erscheinen, als wäre damit für uns alles in Ordnung. Wir glauben an Gott, haben dadurch die Garantie der Rechtfertigung von ihm und können uns damit zufrieden geben. Das klingt schon derart simpel, dass wir zu zweifeln beginnen: Hat Paulus das wirklich so gemeint?

Was wäre jetzt, wenn wir von Paulus hören würden: Ja, ihr habt zwar den Frieden mit Gott geschenkt bekommen, aber ihr müsst ständig etwas dafür tun, und das an jedem Tag. Ihr müsst regelmäßig beten, ihr müsst in der Bibel lesen, ihr müsst anderen Menschen Gutes tun. Nur so wäre dieser Friede mit Gott dauerhaft aufrecht zu erhalten. Glaubt ihr wirklich, dass Paulus uns so etwas sagen würde? Mit Sicherheit nicht. Denn das stünde ganz im Gegensatz zu seiner Rechtfertigungslehre. Der Mensch kann sich nicht aus eigener Kraft durch eigene Bemühungen rechtfertigen. Dies kann nur durch die Gnade Gottes geschehen. Einzige Bedingung ist der Glaube an Jesus Christus und an seine Erlösungstat. Nur über diesen Akt des Gnadengeschenks sind wir gerechtfertigt – und das ein für alle mal. Sonst wäre es keine Gnade, sondern ein auszuhandelndes Wohlwollen, das wir uns täglich neu erkämpfen müssten. Gute Werke entspringen nicht aus unserem souveränen Willen, sondern allein aus der Liebe zu Gott.

Ein Schrei aus der Tiefe

1 Ein Wallfahrtslied, gesungen auf dem Weg hinauf nach Jerusalem. Aus der Tiefe schreie ich zu dir, HERR!
2 HERR, höre meine Stimme, schenk meinem lauten Flehen ein offenes Ohr!
3 Wenn du, HERR, die Sünden anrechnen willst – wer kann dann noch vor dir bestehen, o Herr?
4 Doch bei dir gibt es Vergebung, damit die Menschen dir in Ehrfurcht begegnen.
5 Ich hoffe auf den HERRN, ja, aus tiefster Seele hoffe ich auf ihn. Ich warte auf sein rettendes Wort.
6 Von ganzem Herzen sehne ich mich nach dem Herrn – mehr als die Wächter sich nach dem Morgen sehnen, ja, mehr als die Wächter nach dem Morgen!
7 Israel, hoffe auf den HERRN! Denn der HERR ist voll Gnade und immer wieder bereit, uns zu erlösen.
8 Er allein wird Israel erlösen von allen seinen Sünden.

Psalm 130

Georg Trakl hat in seinem berühmten Gedicht „De profundis“ (lateinisch „aus der Tiefe“) diesen Psalm als Vorbild genommen. Bei ihm ist aber der Mensch in seiner Not ganz allein mit „Gottes Schweigen“ konfrontiert. Am Ende seines Lebens ist alle Hoffnung verschwunden: „Wie traurig dieser Abend.“ Georg Trakls kurzes Leben war überschattet von Depressionen und Panikattacken, die auch eine Folge seines exzessiven Alkohol- und Drogenkonsum waren. Sein lyrisches Werk ist von einzigartiger Schönheit, aber auch ein bedrückendes Zeugnis für die Verlorenheit des modernen Menschen, der sich ganz von Gott abgewandt hat.

Auch der Psalmist befindet sich in einer abgrundtiefen Situation. Und doch ist er sich selbst in der größten Tiefe seiner Existenz sicher, dass Gott ihn trotz all seiner Sündhaftigkeit erhören wird. Er wartet auf seine Antwort, auf „sein rettendes Wort“. Diese Hoffnung bleibt uns immer, so schlimm es in unserem Leben auch kommen mag.

Eine sichere Überzeugung

Wenn die Hoffnung, die Christus uns gegeben hat, nicht über das Leben in der jetzigen Welt hinausreicht, sind wir bedauernswerter als alle anderen Menschen. 
1. Korinther 15,19

    Der Glaube an die Auferstehung ist für den Christen von entscheidender Bedeutung. Dem Ungläubigen bietet sich nur dieses Leben. Er setzt seine Hoffnung auf irdische Freuden, auf Vergnügen und Wohlergehen, ohne an das ewige Leben nach dem Tode zu denken. Ich vermute, dass auch bei der Mehrzahl derer, die sich als Atheisten bezeichnen, noch so etwas wie eine Ahnung oder ein vager Wunsch da ist von dem, was noch kommen wird. Wenn auch Christen nichts mit einer Auferstehung anfangen können, die uns versprochen ist, dann ist das mehr als bedauerlich. Paulus hätte es in seinem Leben sehr viel leichter haben können, ihm wäre viel Leid erspart geblieben, wenn er seinen Missionsauftrag nicht wahrgenommen hätte. Aber er hätte sich wie ein bemitleidenswerter Narr gefühlt, wenn es für ihn nicht die Hoffnung auf die Auferstehung und den himmlischen Lohn jenseits dieses Lebens gegeben hätte. Auch wenn unser Leben in den meisten Fällen weitaus komfortabler verlaufen wird als das des Paulus, wäre es doch erbärmlich, auf die Frage nach dem Jenseits nur mit einem Achselzucken zu reagieren, nach dem Motto: „Vielleicht wird es so kommen, aber es könnte auch nicht so sein“. Allein das Beispiel unseres Erlösers Jesus Christus zeigt uns, wie sicher wir sein müssen, dass es eine Auferstehung nach dem Tod geben wird.