Andacht Heute

Auf den Heiligen Geist vertrauen

Wenn ihr mich liebt, werdet ihr meine Gebote befolgen. Und ich werde den Vater bitten, dass er euch an meiner Stelle einen anderen Beistand gibt, der für immer bei euch bleibt. Das ist der Geist der Wahrheit, den die Welt nicht bekommen kann, weil sie ihn nicht sieht und ihn nicht kennt. Aber ihr kennt ihn, denn er bleibt bei euch und wird in euch sein.
Johannes 14,15-17

Wie wir in der gestrigen Andacht gesehen haben, ist es ein Grund- und Menschenrecht, „seine persönliche Überzeugung in Form einer Religion oder Weltanschauung frei und öffentlich zu bekennen“. Dazu gehört auch, seinen Glauben vor anderen zum Ausdruck zu bringen, was schnell als Missionierung empfunden wird und wogegen sich viele wehren.

Natürlich kann und darf man niemanden zwingen zu glauben. Es ist nicht unsere Aufgabe, den anderen von der Wahrheit, die wir erkannt haben, überzeugen zu wollen. Das müssen wir dem Heiligen Geist überlassen. Er zeigt den Menschen den Weg zum Glauben. Aber sie müssen sich entscheiden, ob sie das Angebot annehmen oder nicht. Alles, was wir tun können, ist, uns als liebende Christen zu erweisen. Und das heißt eben nicht, dass wir in unserem Eifer den anderen in Grund und Boden argumentieren. Wir müssen nicht den alten Vorurteilen gegen uns Gläubige neue Nahrung geben (die Christen seien „einfältig und fanatisch“, man habe sie „einer Gehirnwäsche unterzogen“). Besser ist es, wenn wir vor aller Augen ein Leben führen, das von Demut, Freundlichkeit und Mitgefühl geprägt ist.

Jeder von uns soll auf den anderen Rücksicht nehmen und danach fragen, was gut für ihn ist und was ihm im Glauben weiterhelfen kann.
Römer 15,2

Unser Recht auf Glauben

Man zündet auch nicht ein Licht an und setzt es unter den Scheffel, sondern auf den Leuchter; so leuchtet es allen, die im Haus sind. So soll euer Licht leuchten vor den Leuten.
Matthäus 5,15-16

Das bedeutet für uns, so zu leben und zu handeln, wie Gott es von uns verlangt. Dazu gehört, dass wir uns das nötige Wissen aneignen, um in einer zunehmend gottlosen Welt bestehen zu können. Dabei geht es vor allem um die Heilige Schrift, aber auch um Informationen über die Welt, die uns umgibt, und ganz speziell auch um Fragen, die das Recht auf Ausübung unseres Glaubens betreffen.

Im Augsburger Religionsfrieden von 1555 wurde der Grundsatz „Cuius regio, eius religio“ (Wessen Gebiet, dessen Religion) festgelegt, um das Zusammenleben von Katholiken und Protestanten reichsrechtlich zu regeln. Es erlaubte den Landesfürsten, künftig die Religion in ihrem Territorium zu bestimmen. Das friedliche Zusammenleben dauerte einige Jahrzehnte an, dann brachen die Gegensätze zwischen den beiden Konfessionen wieder auf und führten zum Dreißigjährigen Krieg (1618-48).

Heute kann jeder seine Religion selbst betimmen. Das war in früheren Jahrhunderten anders: Der Landesherr bestimmte, was seine Untertanen zu glauben hatten. Erst die Aufklärung brachte die Religionsfreiheit. Der Preußenkönig Friedrich II. sprach davon, dass „jeder nach seiner Fasson selig werden“ könne. Heute ist die Religionsfreiheit ein Grund- und Menschenrecht. Jedem muss es erlaubt sein, „seine persönliche Glaubensüberzeugung in Form einer Religion oder Weltanschauung frei und öffentlich auszuüben“. Dieses Ausübungsrecht beinhaltet auch, seinen Glauben in der Öffentlichkeit bekunden zu dürfen. Befürworter der Religionslosigkeit wollen dieses Recht zunehmend einschränken. Dies zeigt sich in der Ablehnung jeglicher christlicher Symbolik und jeder Form von Mission. Wer von seinem Glauben spricht, stößt nicht selten auf offene Ablehnung. Man will in Ruhe gelassen werden, und man verbittet sich jegliche Beeinflussung in Fragen der Weltanschauung. Viele Christen sind inzwischen vorsichtig geworden in ihren Äußerungen, auch weil sie nicht zu wissen scheinen, dass es überhaupt ein Recht auf das Kundtun ihres Glaubens gibt. Darum ist es notwendig, dieses Ausübungsrecht in Erinnerung zu rufen und gegen alle Einschränkungen zu verteidigen. Das sind wir nicht zuletzt unserem Herrn schuldig.

Der Zusammenhalt unter Christen

Keiner soll sich über den anderen erheben. Seid vielmehr allen gegenüber freundlich und geduldig und geht nachsichtig und liebevoll miteinander um.
Epheser 4,2

Es geht für mich aktuell um die Frage, wie man mit unterschiedlichen Glaubenspraktiken in anderen christlichen Gemeinschaften umgeht. Was tun, wenn man weder mit charismatischen Gepflogenheiten, noch mit besonders strengen Regeln viel anfangen kann? Ich denke, es ist eine Aufgabe für uns, hier einen Weg zu finden, der sich an Jesus orientiert, also von Liebe geprägt ist.

Da erscheint es mir zunächst wichtig zu sein, sich über andere christliche Glaubensrichtungen zu informieren, um Missverständnisse zu vermeiden und das gegenseitige Verständnis zu fördern. Hier reicht es aber nicht, sein Wissen allein aus Büchern zu beziehen. Warum nicht mal unterschiedliche Gemeinden besuchen und sich mit anderen Christen in aller Offenheit unterhalten, wie wir es getan haben? Statt immer nach dem Trennenden zu suchen und andere Formen der Verehrung Gottes zu bemängeln und zu beanstanden, kann man so auch Gemeinsamkeiten finden und hervorheben. Statt die heute inflationär verwendeten Begriffe wie Toleranz und Respekt zu verwenden, würde ich lieber von Rücksichtnahme, Achtung und Wertschätzung sprechen, die man sich im Umgang mit anderen Gläubigen zu eigen machen kann. Wir können nicht bei Unbekehrten von Liebe reden, wenn wir nicht mal fähig sind, sie im Umgang mit Glaubensgeschwistern zu praktizieren.

Setzt alles daran, die Einheit zu bewahren, die Gottes Geist euch geschenkt hat; sein Frieden ist das Band, das euch zusammenhält.
Epheser 4,3