Andacht Heute

Der Sieg, der uns trägt

„In der Welt habt ihr Bedrängnis; aber seid getrost, ich habe die Welt überwunden.“
Johannes 16,33

Jesus spricht diese Worte nicht in einer ruhigen Stunde, sondern im Schatten des Kreuzes. Er bereitet seine Jünger auf etwas vor, das sie zutiefst erschüttern wird: Die Welt wird ihnen feindlich begegnen, weil sie zu ihm gehören. Das Wort, das Jesus für „Bedrängnis“ verwendet – thlipsis – meint nicht innere Unruhe oder alltägliche Sorgen und Ängste. Es beschreibt den Druck, der entsteht, wenn Glaube auf Widerstand trifft. Es ist das Leiden, das Christen erfahren, wenn sie in einer Welt leben, die Christus ablehnt. In Deutschland werden wir zwar (noch) nicht verfolgt, wenn wir uns zu Jesus bekennen. Dennoch ernten wir nicht selten Spott und Ausgrenzung. Jesus verschweigt diese Realität nicht. Er beschönigt sie nicht. Er sagt: „In der Welt habt ihr Bedrängnis.“ Das gehört zur Nachfolge. Doch mitten in diese Härte spricht er einen Satz, der größer ist als jede Bedrängnis:

„Ich habe die Welt überwunden.“

Es ist nicht etwas, was noch kommen wird, sondern: Es ist vollbracht. Der Sieg steht fest. Das ist kein psychologischer Trost, ein Satz als Lebenshilfe, sondern eine Tatsache. Christus hat die Mächte entmachtet, die seine Jünger bedrohen. Er hat die Welt überwunden – nicht indem er ihr auswich, sondern indem er sie durchlitt und durchbrach. Darum ist sein Friede kein Gefühl, das kommt und geht. Es ist die Gewissheit, dass wir in einer Welt voller Widerstand nicht allein stehen. Wir stehen auf der Seite dessen, der schon gesiegt hat.

Gebet
HERR Jesus Christus, du kennst die Bedrängnisse, denen wir. Du verschweigst nicht, dass Nachfolge manchmal schwer ist. Aber du stellst uns deinen Sieg vor Augen: Du hast die Welt überwunden. Lass uns mutig und treu leben, weil du der Sieger bist. Amen.

Gottes Wort hören und nichts konstruieren

Manches bleibt uns verborgen, nur der HERR, unser Gott, kennt es. Doch was er von uns erwartet, hat er uns und unseren Nachkommen für alle Zeiten offenbart: Wir sollen nach allen Weisungen in diesem Gesetz leben.
5. Mose 29,28

    Es gehört zu unserer Natur, Antworten finden zu wollen. Wenn wir einen biblischen Text lesen, möchten wir verstehen, warum etwas geschieht, was Gott damit meint und welche Lehre wir daraus ziehen sollen. Doch manchmal sagt die Bibel weniger, als wir gern hätten. Und genau dann geraten wir in Gefahr, mehr hineinzulesen, als der Text hergibt.

    Mose 29,28 erinnert uns daran, dass es zwei Bereiche gibt, die beide Teil seines guten Willens sind:

    • Dinge, die Gott offenbart
    • Dinge, die Gott verborgen lässt

    Wenn wir versuchen, das Verborgene zu erklären, verlieren wir oft die Klarheit über das, was wirklich dasteht. Wir konstruieren Gründe, wo die Bibel keine nennt. Wir füllen Lücken, die Gott bewusst offen lässt. Und manchmal entsteht dadurch ein Bild von Gott, das mehr unserer Fantasie entspringt als seinem Wort. Demut im Umgang mit der Bibel bedeutet deshalb nicht, weniger zu glauben, sondern genau das zu glauben, was Gott gesagt hat — und nicht mehr. Das bedeutet, Gott zu vertrauen, auch wenn er uns nicht alles bis in Einzelheiten erklärt.

    Gebet
    HERR, bewahre uns davor, mehr wissen zu wollen, als du offenbart hast. Schenke uns ein hörendes Herz, das deine Worte ernst nimmt, und Demut, dort zu schweigen, wo du schweigst. Amen.

    Eine starke Hoffnung in der Bedrohung

    Doch ich bin gewiss, dass ich am Leben bleiben und sehen werde, wie gütig der HERR ist. Hoffe auf den HERRN, sei stark, und dein Herz fasse Mut – ja, hoffe auf den HERRN! 
    Psalm 27,13-14

    In diesem Psalm spricht David von den verschiedenen Bedrohungen, denen er schon ausgesetzt war: Intrigen, Feinde, Krieg. Selbst Vater und Mutter haben ihn verlassen (V. 10). Er steht allein da, ohne Familie, ohne Rückhalt und ohne menschliche Sicherheit. Auch wir alle haben Momente der Angst im Leben, wenn wir auf Heilung warten, auf eine Nachricht oder eine Wende in einer Angelegenheit. Da gibt uns das Ende dieses Psalms große Hoffnung. Es lässt uns darauf vertrauen, dass Gottes Güte unsere Angst besänftigen kann, auch wenn die Auswirkungen noch nicht sichtbar sind.

    Gebet
    HERR, schenke uns Davids Blick: dass wir deine Güte erwarten, auch wenn sie noch verborgen ist. Mach unser Herz stark und unverzagt im festen Vertrauen auf deine Zusagen. Amen.