Andacht Heute

Klarer sehen – weil der Geist leitet

Wenn aber jener kommt, der Geist der Wahrheit, so wird er euch in die ganze Wahrheit leiten.
Johannes 16,13

Wie wir gestern gesehen haben, erfüllt uns der Heilige Geist, wenn wir dies zulassen. Eine weitere Wirkung ist, dass er uns dabei hilft, die Dinge so zu sehen, wie Gott sie sieht. Wir leben in einer Welt voller Stimmen, Meinungen und Eindrücke. Vieles wirkt und fühlt sich wahr an, aber ist es das auch?

Der Heilige Geist schenkt uns Orientierung und zeigt uns, was uns guttut und was uns schadet. Er zeigt uns, was in Gottes Augen zählt, und nicht nur, was in unseren Augen glänzt. Das wird Schritt für Schritt erfolgen. Jesus sagt nicht: „Er wird euch alles auf einmal zeigen.“ Sondern: „Er wird euch leiten.“ Leiten heißt nicht überfordern, nicht drängen, nicht schieben, sondern führen. Der Heilige Geist zeigt uns nicht alles auf einen Schlag, sondern immer nur den nächsten Schritt.

So erkennen wir immer deutlicher, dass Jesus in allem Recht hat. Der Geist bestätigt in unseren Herzen, dass Jesus wirklich der ist, der er sagt, dass er ist. Dass sein Weg richtig ist. Dass sein Wort trägt. Dass seine Verheißungen zuverlässig sind. Der Heilige Geist zeigt uns auch, wie sehr wir Jesus brauchen. Dadurch befreit er uns nach und nach aus den Verstrickungen der Sünde. Er öffnet uns die Augen, um uns zu befreien. Nicht, um uns zu belasten, sondern um uns zu Jesus zu führen. Wo der Geist der Wahrheit wirkt, wird das Leben klarer, leichter und wahrer, weil wir Jesus deutlicher sehen.

Gebet
Herr Jesus Christus, nimm hinweg, was uns bindet, und stärke, was uns zu dir hinzieht. Mach unser Herz empfänglich für deine Wahrheit, damit wir klarer sehen, freier leben, im festen Vertrauen auf Dich. Amen

Das Wirken des Heiligen Geistes

Es ist besser für euch, wenn ich gehe. Sonst käme der Helfer nicht, der an meiner Stelle für euch da sein wird.
Johannes 16,7

Das volle Wirken des Heiligen Geistes begann zu Pfingsten, nachdem Jesus in den Himmel aufgefahren ist (Apg 2,1–4). Wir leben in dieser Phase der Weltgeschichte, die mit dem Wiederkommen Christi enden wird. Wer an Jesus glaubt, der ist „von neuem geboren“, und er bekommt den Hl. Geist in einer Fülle, wie es im Neuen Testament verheißen ist. Von ihm erhalten wir auch alle Gaben, die für unseren Dienst notwendig sind.

Im Vers wird der Heilige Geist als Tröster, Anwalt, Fürsprecher (griech.: parakletos) oder – wie in dieser Übersetzung – als Helfer bezeichnet. Wie kann er uns helfen? Oder besser: Wie können wir uns von ihm helfen lassen? Mir kommt gerade der Gedanke, eine kleine Reihe über die Wirkungen des Heiligen Geistes zu beginnen. Heute soll es erst mal darum gehen, dass wir uns von ihm füllen lassen.

Betrachten wir, wie sich die Jünger in Apg 2,4 verhielten: Plötzlich kam vom Himmel her ein Brausen wie von einem gewaltigen Sturm und erfüllte das ganze Haus, in dem sie sich versammelt hatten. Wir sehen, dass sie nur der Dinge harrten, die nun über sie kamen. Es geht also nicht darum, etwas aktiv herbeizuführen, sondern still zu sein und einen Raum für Gott zu schaffen. Auch wenn wir sonst gerne alles kontrollieren und planen, ist es hier so, als würden wir das göttliche Radio anschalten und auf Empfang gehen. Wir dürfen uns auf eine Sendung freuen, die ganz für uns bestimmt ist und in der der Heilige Geist uns mit allem erfüllt, was wir benötigen. Dies soll der Inhalt der nächsten Andachten sein.

Gebet
HERR, ich komme vor dich mit offenen Händen. Ich lege alles ab, was mich beschäftigt, und bitte dich: Fülle mich mit deinem Heiligen Geist. Ich vertraue darauf, dass du mich leitest, tröstest und erneuerst. Amen.

Eine falsche Sicht der Welt

Und Jesus nahm die Brote, sagte Dank und teilte sie den Jüngern aus, die Jünger aber denen, die sich gesetzt hatten; ebenso auch von den Fischen, so viel sie wollten.
Johannes 6,11

Der Historiker Rainer Zitelmann beschreibt in seinem neuen Buch über die „Die Nullsummen-Falle“ ein Denkmuster, das viele Menschen prägt, ohne dass sie es bewusst wahrnehmen: den Nullsummenglauben – die Vorstellung, dass der Gewinn des einen automatisch der Verlust des anderen sei. Wie eine Brille verzerrt dieses Denken die Wahrnehmung der Wirklichkeit. Es macht misstrauisch, bitter und führt zu Neid. Bertolt Brecht hat dieses Denken in einem Satz verdichtet: „Wär ich nicht arm, wärst du nicht reich.“ So denken viele – und manchmal ertappen wir uns selbst dabei.

In der Bibel wird vor den Folgen von Neid gewarnt: „Wo Neid und Streit ist, da ist Unordnung und alles Böse.“ (Jak 3,16) Warum? Weil Neid auf einer falschen Annahme beruht: dass Gottes Welt ein fester Kuchen sei, der nur anders verteilt werden müsse. Wenn der andere etwas hat, so meint der Neidige, dann fehlt es mir.

Die Bibel erzählt jedoch eine völlig andere Geschichte: Gott schafft aus dem Nichts. Segen wächst, wenn man ihn teilt. Vertrauen entsteht durch Kooperation, nicht durch Kontrolle. Und im Bericht über die Brotvermehrung zeigt Jesus: Aus fünf Broten können Tausende satt werden. Dies ist ein Zeichen für uns: Gottes Welt ist nicht knapp, sondern überfließend. Dadurch entsteht Fülle für alle.

Wie können wir der Neidfalle entkommen? Lass den anderen seinen Erfolg, vergönne es ihm. Er nimmt dir nichts weg. Schau auf deine eigenen Gaben, die Gott dir geschenkt hat. Sei dankbar dafür, anstatt dich mit anderen zu vergleichen. Sei großzügig und freu dich über den Erfolg anderer, in dem Wissen, dass Gott genug für alle hat – auch für dich.