Andacht Heute

Ein starker Trost für Schwache und Ungebildete

Seht euch doch einmal in euren eigenen Reihen um, Geschwister: Was für Leute hat Gott sich ausgesucht, als er euch berief? Es sind nicht viele Kluge und Gebildete darunter, wenn man nach menschlichen Maßstäben urteilt, nicht viele Mächtige, nicht viele von vornehmer Herkunft. Im Gegenteil: Was nach dem Urteil der Welt ungebildet ist, das hat Gott erwählt, um die Klugheit der Klugen zunichte zu machen, und was nach dem Urteil der Welt schwach ist, das hat Gott erwählt, um die Stärke der Starken zunichte zu machen. Was in dieser Welt unbedeutend und verachtet ist und was bei den Menschen nichts gilt, das hat Gott erwählt, damit ans Licht kommt, wie nichtig das ist, was bei ihnen etwas gilt. Denn niemand soll gegenüber Gott mit vermeintlichen Vorzügen prahlen können.
1. Korinther 1,28-29

    In der christlichen Gemeinde von Korinth gab es viele Auseinandersetzungen und Konflikte. Es gab Leute, die die Legitimität des Apostelamtes von Paulus anzweifelten, weil in ihren Augen sein Auftreten dem nicht entsprach. Er war ihnen nicht ehrfurchtgebietend genug und kein großer Redner. Diesen falschen Vorstellungen von einem kraftvoll auftretenden Verkünder des Evangeliums trat Paulus in seinem Brief entgegen.

    Vergleicht man die Situation der damaligen Christen mit der heutigen, so zeigen sich Parallelen. Wer sich heute Gehör verschaffen will, muss andere Menschen beeindrucken können – mit seiner Macht, seinem Reichtum, seinem Ansehen oder nicht zuletzt mit seinem Wissen. Gerade in den sozialen Medien gibt es viele Fangemeinden von klugen Menschen, die mit ihrem Wissen glänzen und sich perfekt präsentieren können. „Was nach dem Urteil der Welt schwach ist“, wie Paulus sagt, hat heute keine Chance, gehört zu werden. Man kann das bedauern oder sich die Worte des Apostels zu Herzen nehmen. Vor den Menschen dieser Welt kann man eine große Nummer sein, vor Gott zählt das alles nicht. So tun wir unseren Dienst, den wir leisten können, in aller Bescheidenheit und Demut und freuen uns, dass wir von Gott dazu auserwählt sind.

    Zum Umgang mit der Sexualität

    Du sollst nicht ehebrechen.
    2. Mose 20,14

    Der Mann soll seine Frau nicht vernachlässigen, ebenso nicht die Frau ihren Mann.
    1. Korinther 7,3

    Die Bibel ist reich an Aussagen zur Sexualität. Paulus hat in seinem Brief an die Korinther einiges zur Klärung beigetragen. Er tat dies aus der Sicht eines Mannes, der sich für die Ehelosigkeit entschieden hatte. Aufgrund dieser Tatsache kann man sich durchaus fragen, ob seine Meinung für alle Christen, insbesondere für verheiratete, gelten kann. Gerne wird behauptet, man müsse sie in ihrem historischen Kontext sehen und aus heutiger Sicht unbedingt relativieren. Dies gelte insbesondere für seine Stellungnahmen zur Homosexualität. Auch seine Aussagen zur Ehe werden heute kritisch gesehen. Aber war er wirklich so leibfeindlich, wie ihm unterstellt wird?

    Paulus empfiehlt die Ehe. In ihr könne Sexualität gelebt werden. Wenn ein Partner sich verweigert, hält er das nicht für sinnvoll, weil es Gefahren birgt. Mann und Frau sollen in der Ehe ein Fleisch sein. Die gegenseitige Treue ist sehr wichtig. Ich frage mich: Kann man jemandem, der solche Gedanken zu Papier bringt, wirklich Leibfeindlichkeit und eine rückwärtsgewandte, überholte Sexualmoral vorwerfen? Paulus hat sich angesichts der Sittenverderbnis im damaligen Korinth für klare Regeln ausgesprochen. Wir müssen davon ausgehen, dass dies nicht nur seine persönliche Meinung war, sondern dass seine Worte göttlich inspiriert waren. Deshalb sind sie heute so gültig wie damals.

    Ein Fehlschluss

    Jesus sprach zu ihm: „Willst du vollkommen sein, so geh hin, verkaufe, was du hast, und gib es den Armen, so wirst du einen Schatz im Himmel haben; und komm, folge mir nach! Als aber der junge Mann das Wort hörte, ging er betrübt davon; denn er hatte viele Güter.“
    Matthäus 19,21-22

    Für den reichen Jüngling war die Antwort Jesu auf seine Frage, was ihm denn noch fehle, da er doch alle Gesetze des Alten Bundes gehalten habe, ein Schock. Wir, die wir das Neue Testament aufmerksam lesen, könnten hier in eine Falle tappen. Wir könnten zu dem Schluss kommen, dass Jesus von jedem von uns verlangt, sich von allem Besitz zu trennen, und dass dies der einzige Weg ist, ihm zu folgen.

    Aus mehreren Gründen ist dies nicht die richtige Schlussfolgerung. Erstens sagt Jesus mit keinem Wort, dass sich alle Menschen so verhalten sollen, sondern seine Antwort galt nur dem jungen Mann, der sich in seiner Vergötzung der materiellen Werte verfangen hatte. Die Anhäufung von immer mehr Reichtum war ihm immer noch wichtiger als seine Umkehr. Jesus machte ihm unmissverständlich klar, dass er deshalb IHM nicht nachfolgen könne. Die zweite Fehleinschätzung des jungen Mannes war, dass es darauf ankäme, die Gebote noch strenger zu halten und sich dadurch selbst zu retten. Was aber im Neuen Bund allein zählt, ist der Glaube an Jesus Christus als den Sohn Gottes, unseren Heiland und Erlöser. Er ist nicht in diese Welt gekommen, um hier eine bessere, gerechtere Welt zu schaffen, indem er etwa alle Reichen dazu auffordert, ihren gesamten Besitz den Armen zu geben, um ihr Seelenheil zu erlangen. Abraham, Salomo und David sind Beispiele für sehr reiche Menschen. Ihr Besitz konnte kein Hindernis für ihre Errettung sein. Umgekehrt ist auch Armsein kein Freifahrtschein in den Himmel. Bei Gott ist alles möglich. Gottes Gnade genügt, um auch den reichen Mann zu retten.

    Als seine Jünger das hörten, entsetzten sie sich sehr und sprachen: Wer kann dann überhaupt gerettet werden? Jesus aber sah sie an und sprach zu ihnen: Bei den Menschen ist dies unmöglich; aber bei Gott sind alle Dinge möglich.
    Matthäus 19,25-26