Andacht Heute

Das ist doch Asbach

Wie großartig ist doch dein Tun und Walten, HERR, unendlich tief sind deine Gedanken!
Psalm 92,6

Der Psalmist ist voller Weisheit, wenn er Gott für das lobt, was er für uns tut. Zu vieles wird heute als selbstverständlich hingenommen oder gar als eigenes Verdienst verbucht. Dabei ist jeder Morgen, an dem wir die Augen öffnen, ein Geschenk von oben. „Wenn einem so viel Gutes widerfährt, das ist schon einen Asbach Uralt wert.“ Der bekannte Werbeslogan aus den 1950er Jahren müsste dringend geändert werden. Statt die Rüdesheimer Weinbrandflasche zu öffnen, sollte man ein Dankgebet zum Himmel schicken. Das mag heute so altmodisch klingen wie der Spruch von damals. Noch heute sagt man „Das ist doch Asbach“, wenn man ausdrücken will, dass etwas völlig überholt ist. Beim Gebet ist das anders. Wenn wir auf diese Weise unseren Dank ausdrücken, werden wir zufriedener mit unserem Leben, weil wir uns daran erinnern, wem wir alles zu verdanken haben.

Freut euch zu jeder Zeit! Hört niemals auf zu beten. Dankt Gott, ganz gleich wie eure Lebensumstände auch sein mögen. All das erwartet Gott von euch, und weil ihr mit Jesus Christus verbunden seid, wird es euch auch möglich sein.
1. Thessalonicher 5,16-18

Die Frucht kommt, wenn Gott es will

Habt nun Geduld, Brüder, bis zur Ankunft des Herrn! Siehe, der Bauer wartet auf die kostbare Frucht der Erde und hat Geduld ihretwegen, bis sie den Früh- und Spätregen empfange.
Jakobus 5,7

Das Bild des geduldig wartenden Bauern ist eine große Ermutigung für die Gläubigen. Wenn sie oft zweifeln, ob der Same, den sie in eine gottlose Umgebung gesät haben, wirklich keimen und zu einer Pflanze werden wird. Gestern war ich mit meiner Frau in unserer Gärtnerei. Sie hat zu Hause gleich mit dem Pflanzen im Hochbeet begonnen. Das Wetter in diesem Februar ist bisher sehr mild. Sie freut sich schon auf die kommende Salaternte. Jeden Tag wird sie nach dem Rechten sehen und den Fortschritt wahrnehmen. Bei der Aussaat der Guten Nachricht unter den Menschen ist die Erfolgskontrolle oft ungleich schwieriger. Viele haben davon gehört, sind angesprochen worden, aber nichts will bei ihnen aufgehen. Aber wie die heutigen Verse zeigen, wäre es falsch, die Geduld zu verlieren und die Hoffnung aufzugeben. So der HERR will, so wird’s regnen von oben und Frucht bringen am Ende.

Jede Rebe an mir, die nicht Frucht bringt, die nimmt er weg; und jede, die Frucht bringt, die reinigt er, dass sie mehr Frucht bringt.
Johannes 15,2

Genuss und Weisheit

Lehre uns zu bedenken, wie wenig Lebenstage uns bleiben, damit wir ein Herz voll Weisheit erlangen!
Psalm 90,12

Vom römischen Dichter Horaz stammt der Ausspruch „Carpe diem“, wörtlich übersetzt „Pflücke den Tag“. Das Wort vermittelt die Weisheit, den Tag, den Augenblick zu nutzen. Es taucht in der Dichtung des Barock (etwa zwischen 1625 und 1725) wieder auf, mit der Vanitas (Alles ist vergänglich) und dem Memento mori (Bedenke, dass du sterben musst) als zentralen Motiven. Für den heidnischen Dichter Horaz folgte aus dem Bewusstsein der Endlichkeit des Lebens in seiner Diesseitsorientierung die Konzentration auf den Genuss allein im Hier und Jetzt. Die Dichter des Barock waren noch tief im Christentum verwurzelt. Sie kannten, wie es Andreas Gryphius in seinem Sonett „Es ist alles eitel“ ausdrückt, noch die Weisheit aus dem Buch Kohelet. Der Mensch solle seine Überheblichkeit, seine Egomanie, das Wichtigste und Bedeutendste in dieser Welt zu sein, ablegen und seine Aufmerksamkeit auf das richten, „was ewig ist“, auf seine Seele und auf Gott.

Heute stellen wir fest, dass der Mensch wieder ganz heidnisch das Jenseits ausklammert und sich nur dem Genuss des Augenblicks widmet. Dieses Streben nach Lust und Sinnengenuss nennt man Hedonismus. Der heutige Vers mahnt dagegen, uns der Begrenztheit unserer Tage bewusst zu werden. Wir sollen sie nutzen, um in wahrer Herzensbildung weise zu werden. Diese Zeit ist uns von Gott geschenkt, nicht damit wir von Vergnügen zu Vergnügen eilen, sondern damit wir lernen, uns an IHM auszurichten. Damit ist nicht der Weg der Askese gemeint, die Verweigerung aller Lebensfreude und ein Leben in Selbstrechtfertigung. Auch wir dürfen genießen, aber nicht ohne Gott zu danken für das, was er uns im Diesseits und im Jenseits schenkt.