Andacht Heute

Kein Freibrief für schlampige Vorbereitung

Wenn sie euch aber vor die Synagogen und vor die Fürsten und Obrigkeiten führen, so sorgt nicht, wie oder womit ihr euch verteidigen oder was ihr sagen sollt; denn der Heilige Geist wird euch in derselben Stunde lehren, was ihr sagen sollt.
Lukas 12,11-12

Jesus bereitete die Jünger auf ihren Verkündigungsdienst vor. Dabei sparte er die drohende Verfolgung nicht aus. Er versprach ihnen, dass sie in ihrer Bedrängnis vor Gericht den besten Verteidiger haben würden, den es gibt: den Heiligen Geist. Sie bräuchten sich nicht darauf vorzubereiten, selbst die richtigen Worte gegen die Anklagepunkte zu finden. Sie könnten sich ganz darauf verlassen, dass der Heilige Geist im entscheidenden Moment durch sie sprechen würde.

Wichtig ist, dass dies nur für diese Notsituation gilt. Die Worte Jesu können nicht auf eine Vernachlässigung der Vorbereitung der Lehre und der Predigt bezogen werden. Sie gelten nur für die Rechtfertigung bei Anklagen, nicht für die Verkündigung selbst. Es wäre lieblos und geringschätzig gegenüber den Zuhörern, wenn man einfach ohne Konzept und Planung vor sie tritt und sich darauf verlässt, dass die richtigen Worte schon aus einem heraussprudeln werden. Das Ergebnis sind dann unstrukturierte Vorträge mit Endlosschleifen, die die Zuhörer gelangweilt und ratlos zurücklassen. Verkündigung ist immer eine große Aufgabe und eine wunderbare Chance, Menschen für die Frohe Botschaft zu begeistern. Nehmen wir sie ernst.

Und sie hörten nicht auf, alle Tage im Tempel und hier und dort in den Häusern zu lehren und zu predigen das Evangelium von Jesus Christus.
Apostelgeschichte 5,42

Ohne Selbstsucht und Habgier

Denn wir sind nie mit Schmeichelworten gekommen, wie ihr wisst, noch mit verblümter Habsucht — Gott ist Zeuge.
1. Thessalonicher 2,5

Der Aufenthalt des Paulus in Thessalonich war geprägt von Angriffen auf seine Person. Die Stadt war ein wichtiger Hafen und ein Treffpunkt verschiedener Kulturen und Religionen, die miteinander konkurrierten. In der Stadt wimmelte es von Philosophen, Magiern, Astrologen und Fanatikern, die sich auch unlauterer Methoden bedienten, um auf sich aufmerksam zu machen. So wurde auch Paulus beschuldigt, die Menschen zu täuschen, sie mit schmeichelnden Worten zu gewinnen und nur auf ihr Geld aus zu sein. In seinem Brief verteidigte er seine Position und wies alle Vorwürfe zurück. Das in diesem Zusammenhang verwendete Wort pleonaxia für Habgier und Geiz kann auch als Wurzel aller anderen Sünden bezeichnet werden. Es setzt sich zusammen aus pleon (mehr) und echo (haben, besitzen), also der ständigen Begierde, mehr haben zu wollen. Im Dienst des Paulus stand aber nicht der Eigennutz im Vordergrund, sondern das Bestreben, möglichst viele Seelen zu retten. Gerade weil er sich in seinem Dienst nichts vorzuwerfen hatte, konnte er sich auf Gott als seinen Zeugen berufen.

Das Beispiel des Paulus zeigt, wie wichtig es ist, im Dienst für Gott demütig zu bleiben und die Bedürfnisse anderer vor die eigenen Interessen zu stellen. Wir sollen allein dem HERRN die Ehre geben, nicht uns selbst. Nur wenn wir nicht die eigene Person in den Vordergrund stellen, bleiben wir glaubwürdig. Unser Umgang mit anderen soll transparent und ohne versteckte Motive sein.

Tut nichts aus Selbstsucht oder nichtigem Ehrgeiz, sondern in Demut achte einer den anderen höher als sich selbst.
Philipper 2,3

Paulus stand zu seinen Schwächen

Doch der Herr hat zu mir gesagt: „Meine Gnade ist alles, was du brauchst, denn meine Kraft kommt gerade in der Schwachheit zur vollen Auswirkung.“ Daher will ich nun mit größter Freude und mehr als alles andere meine Schwachheiten rühmen, weil dann die Kraft von Christus in mir wohnt. Ja, ich kann es von ganzem Herzen akzeptieren, dass ich wegen Christus mit Schwachheiten leben und Misshandlungen, Nöte, Verfolgungen und Bedrängnisse ertragen muss. Denn gerade dann, wenn ich schwach bin, bin ich stark.
2. Korinther 12,9-10

    Wir wissen nicht, was diese Schwäche des Paulus war. Es kann eine quälende Krankheit gewesen sein, an der er litt, aber auch eine Charaktereigenschaft, die ihm zu schaffen machte. Aber wir brauchen uns hier nicht in Spekulationen zu verlieren. Konzentrieren wir uns lieber darauf, wie Paulus mit dieser Schwäche (er nennt sie auch seinen „Pfahl im Fleisch“) umgegangen ist. Er hat in den Gemeinden nichts verheimlicht, um sich als untadeliger, makelloser Diener Gottes darzustellen, sondern er hat dazu gestanden und seine Schwachheit als Auszeichnung angenommen. Man darf hier nicht den verhängnisvollen Fehler machen, wie in der Kirchengeschichte geschehen, ein Martyrium anzustreben, um sich die Gunst Gottes erkaufen zu wollen. Und es gibt einen weiteren Denkfehler, dem wir als Christen verfallen können. Wenn wir uns nämlich in unserem Glaubensleben weiterentwickeln wollen, um einen Zustand zu erreichen, der uns befähigt, unser Handeln so im Griff zu haben, dass wir gewissermaßen „unabhängig“ von Gott sein können. Das hat nichts mit Reife zu tun, sondern mit dem Wunsch nach Selbstbefreiung.

    Paulus dagegen nahm seine Schwachheit an, weil sie ihm seine völlige Abhängigkeit von der Gnade Gottes bewusst machte. Er war durch seinen Dienst ein überaus erfolgreicher Evangelist. Es ging ihm aber nicht darum, möglichst viele Anhänger um sich zu scharen, die ihn bewunderten. Mit großer Aufrichtigkeit warnte er alle davor, nicht nach Vollkommenheit zu streben und seinen Lebensweg unabhängig von der Gnade Gottes gehen zu wollen, indem er mit großer Aufrichtigkeit auf seine eigene Schwachheit hinwies. Das ist auch für uns heute eine Lehre, nicht ständig sich als makellos zu geben, sondern zu unseren Schwächen zu stehen. Und wir dürfen gewiss sein: Gott nimmt sich auch unsere Schwachheit an.