Andacht Heute

Wenn sich das Gewissen meldet

Doch er hatte ein schlechtes Gewissen dabei, und sein Herz klopfte wild.
1. Samuel 24,6

In mir erwacht immer eine gewisse Skepsis, wenn jemand über sein eigenes Handeln oder seine Haltung sagt: „Das hat mir Gott gesagt“. Er drückt damit aus, dass er gar nicht anders konnte, als dieser inneren Stimme Gottes zu folgen. Er weist damit auch jede Verantwortung für sein Handeln von sich, weil sein Gewissen ja ganz von Gott geleitet sei. Ist diese unter Christen weit verbreitete Auffassung richtig?

Offensichtlich hat dieses Konzept eine große Schwäche. Auch ein Verbrecher könnte sich darauf berufen: „Ich habe diesen Menschen getötet, weil Gott gesagt hat, dass dies richtig ist.“ Religiöse Fanatiker rechtfertigen so ihre Untaten. Das große Manko dieses Handels aus vermeintlich bester innerer Überzeugung ist das Ignorieren einer Instanz, die sich auch aus äußerer, gelebter Erfahrung bildet: Es ist das Gewissen, das sich als Unruhe meldet und sich nicht so leicht unterdrücken lässt. Wenn ich spüre, dass etwas nicht in Ordnung ist, wenn ich mich für eine bestimmte Handlung entscheide, dann sollte ich auf dieses Gewissen hören. Wir Menschen sind in allem, was wir tun, von der Sünde bedroht. Das Gewissen ist ein Warnsignal, das uns darauf aufmerksam macht, wenn wir uns zu etwas hinreißen lassen, was nicht im Sinne Gottes ist. Die Entscheidung müssen wir aber in jedem Fall selbst treffen, denn Gott hat uns so geschaffen, dass wir in der Lage sind, eine Situation zu beurteilen. Dabei müssen wir uns allerdings von einem autoritär verankerten Schuldbewusstsein befreien, also ständig die Angst zu haben, etwas falsch zu machen. Wenn wir uns von Menschen ungeliebt fühlen, dann tun wir immer nur das, was äußere Instanzen von uns verlangen. Das wäre das genaue Gegenteil von Freiheit und Verantwortungsbewusstsein. Vergessen wir nicht, wie zart wir in jedem Augenblick in die Liebe Gottes eingewoben sind. Das macht uns die Entscheidungsfindung leichter.

Christsein in Gemeinschaft

Lasst die Botschaft von Christus bei euch ihren ganzen Reichtum entfalten. Unterrichtet einander in der Lehre Christi und zeigt einander den rechten Weg; tut es mit der ganzen Weisheit, die Gott euch gegeben hat. Singt Psalmen, Lobgesänge und von Gottes Geist eingegebene Lieder; singt sie dankbar und aus tiefstem Herzen zur Ehre Gottes.
Kolosser 3,16

Um den eigenen Glauben stark und fest zu machen, ist es notwendig, die Gemeinschaft mit anderen Gläubigen zu suchen. Wer meint, sein Christsein allein mit dem Herrn leben zu können, kann in die Falle der Selbstbezogenheit tappen. Erst im Gespräch und Austausch mit anderen kommt es zu notwendigen Korrekturen der eigenen Einstellungen. Wenn wir die Bibel ernst nehmen, dann haben wir auch die Verpflichtung, gegenseitig auferbauend zu sein und einander unsere Liebe zu schenken. Das geht nicht in der Abgeschiedenheit und Verschlossenheit des eigenen Kämmerleins.

Wohin es uns dann führt, in welche Versammlung wir gehen, hängt von Gottes Führung ab. Meine Frau und ich haben im vergangenen Jahr fünf verschiedene Gemeinden besucht, um uns vor Ort ein Bild davon zu machen, wie die jeweiligen Gottesdienste gefeiert werden. Wir waren bei Adventisten, Baptisten, Mennoniten, in einer Brüdergemeinde und in der evangelischen Landeskirche. So unterschiedlich die Gottesdienste waren, überall trafen wir auch auf Geschwister, die von einem tiefen Glauben erfüllt waren. Wir sind sehr froh über diese Erfahrungen. Mit den so gewonnenen Erkenntnissen und auf der Grundlage der Heiligen Schrift wollen wir nun an unserem Wohnort in einer kleinen Kirche neues geistliches Leben ermöglichen. Ohne die Besucher in ein starres Gemeindekonzept zu zwingen, soll hier eine Möglichkeit der Begegnung und des Austausches für Christen unterschiedlicher Herkunft entstehen. Hier soll ein Ort der Besinnung auf das Evangelium und für Gespräche nach dem Gottesdienst sein. Ganz im Sinne des Kolosser-Verses: Damit sich die Botschaft von Christus in ihrem ganzen Reichtum entfalten kann.

Entstandene Zweifel an Gottes Wort

Denn alles, was in der Schrift steht, ist von Gottes Geist eingegeben, und dementsprechend groß ist auch der Nutzen der Schrift: Sie unterrichtet in der Wahrheit, deckt Schuld auf, bringt auf den richtigen Weg und erzieht zu einem Leben nach Gottes Willen. So ist also der, der Gott gehört und ihm dient, mit Hilfe der Schrift allen Anforderungen gewachsen; er ist durch sie dafür ausgerüstet, alles zu tun, was gut und richtig ist.
2. Timotheus 3,16-17

Der Glaube an die Zuverlässigkeit der Bibel ist in vielen Kirchen und Gemeinden ins Wanken geraten. Aufklärerische und rationalistische Tendenzen haben Zweifel an der Irrtumslosigkeit von Gottes Wort aufkommen lassen. Zwar wird die Heilige Schrift auch in den großen Kirchen weiterhin verwendet. Aber die Auffassung, dass jedes Wort der Bibel von Gott inspiriert ist, ist nicht mehr überall anzutreffen. Statt von dieser Verbalinspiration überzeugt zu sein, spricht man heute auch von einer begrenzten Inspiration, d.h. man glaubt, dass die Bibel in historischen und wissenschaftlichen Details fehlerhaft sein kann. Man glaubt auch, dass menschliche Autoren zwar eine göttliche Quelle nutzten, aber bei der Niederschrift ihren eigenen Verstand und ihre persönliche Ausdrucksweise einsetzten. Modern ist auch die Auffassung, dass es vor allem auf die Wirkung der Bibel ankommt. Es sei nicht so wichtig, wer sie geschrieben hat oder von wem sie inspiriert ist, sondern was sie beim Leser bewirkt.

Bei all diesen Tendenzen, die zu einer Preisgabe der Heiligen Schrift an den jeweiligen Zeitgeist und damit zu einer großen Verunsicherung der Gläubigen geführt haben, sollten wir wachsam sein und uns an die Worte Zinzendorfs erinnern:
„Wenn dein Wort nicht mehr soll gelten,
worauf soll der Glaube ruhn?
Mir ist’s nicht um tausend Welten,
aber um dein Wort zu tun.“