Andacht Heute

Ein erschütternder Zustandsbericht

»Ja, ich, der HERR, kündige ihnen an: Ihre Frauen, ihre Häuser und Felder werden Fremde zum Besitz erhalten. Denn ich strecke meine Hand aus zum Gericht über die Bewohner dieses Landes! Sie alle, vom einfachen Volk bis zu den Mächtigen, wollen nur eins: Gewinn um jeden Preis! Auch die Priester und Propheten betrügen das Volk, weil sie seine tiefen Wunden nur schnell verbinden. ›Es ist halb so schlimm, alles wird wieder gut!‹, sagen sie. Nein, nichts wird gut!

Schämen müssten sie sich über ihre abscheulichen Taten, aber sie kennen keine Scham mehr, sie werden nicht einmal rot! Doch wenn die Zeit gekommen ist, werden sie stürzen; wenn ich sie strafe, werden sie mit allen anderen in Israel untergehen. Darauf gebe ich, der HERR, mein Wort.«

»So spricht der HERR zu seinem Volk: Stellt euch an die Straßen und schaut euch um! Erkundigt euch, welchen Weg eure Vorfahren gegangen sind! Fragt nach dem richtigen Weg, und dann beschreitet ihn. So findet ihr Ruhe für euer Leben. Aber ihr sagt: ›Nein, diesen Weg gehen wir nicht!‹

Jeremia 6,12-16

Mich erschüttert, was ich hier in Jeremia lese: Jeremia kündigt an, dass Unheil aus dem Norden kommt – ein Bild für die babylonische Bedrohung. Die Stadt wird belagert werden, weil das Volk die Wege Gottes verlassen hat. Das Volk wird in einer falschen Sicherheit gewiegt, denn es wird von Frieden gesprochen, obwohl keiner da ist. Weil das Volk nicht hören will, kündigt Gott das Gericht an.

Was ich hier lese, erkenne ich in der Gegenwart wieder. Es ist von religiöser Oberflächlichkeit die Rede, von einem Volk, das von Blindheit geschlagen ist und nicht mehr erkennt, dass es bedroht ist. Ich erkenne, wie wichtig es ist, genau hinzuhören, um betrügerische Worte zu erkennen, die uns mit falschen Versprechen kommen. Lernen wir daraus: Prüfen wir die Wege, fragen wir bei allen Fortschrittshoffnungen auch nach dem Bewährten, laufen wir nicht allem Neuen hinterher, sondern orientieren wir uns an den guten Wegen, die Gott uns weist. Kehren wir um!

Der fröhliche Glaube von Chesterton

Schmecket und sehet, wie freundlich der HERR ist.
Psalm 34,9

Der Schriftsteller G. K. Chesterton (1874–1936) ist vor allem durch seine Reihe von Detektivgeschichten um die Figur des Pater Brown bekannt geworden. Es handelt sich um geistvolle Kriminalparabeln, in denen ein bescheidener Priester mit seelischem Spürsinn, Intuition und Menschenkenntnis seine Fälle löst. Chesterton war ein überzeugter Christ. Sein Glaube war fröhlich, vernünftig und kämpferisch zugleich. Er verstand sich als Verteidiger des Christentums in einer zunehmend skeptischen Moderne. Für ihn waren Glaube und Vernunft keine Gegensätze, sondern zwei Seiten derselben Suche nach Wahrheit. Ein wiederkehrendes Motiv ist bei ihm die Erlösung. Der ehemalige Meisterdieb Flambeau, der vom Gegner zum Freund wird, ist das beste Beispiel: Die Geschichten zeigen, dass selbst der größte Sünder sich ändern kann. In seinen Schriften beschreibt er den Glauben an Gott als permanentes Staunen, geprägt von Demut, Dankbarkeit, intellektueller Neugier – und Humor. Chesterton gilt als „fröhlicher Prophet”. Er verstand das Christentum nicht als moralische Last, sondern als Befreiung zur Freude.

Ich habe den Vers deshalb ausgewählt, weil er zu Chesterton passt. Er sah die Welt als Geschenk, als Wunder, als „freundliche Überraschung“. Der Psalmvers bringt jene kindliche Glaubensfreude zum Ausdruck, die Chesterton zutiefst schätzte.

In Erwartung besserer Zeiten

Die Gemeinde, die sich in Judäa, Galiläa und Samarien weiter ausbreitete, hatte nun Frieden und wuchs beständig. Die Gläubigen lebten in Ehrfurcht vor dem Herrn, und durch das Wirken des Heiligen Geistes schlossen sich immer mehr Menschen der Gemeinde an. 
Apostelgeschichte 9,31

Dem vorausgegangen war die Bekehrung des Saulus (Verse 1–19) und der Beginn seines Verkündigungswerks. Er begann sofort, zu predigen, dass Jesus der Sohn Gottes ist. Das erregte Aufsehen, denn er war früher ein Verfolger gewesen und trat nun als Zeuge für Christus auf. Schon bald wurde er selbst verfolgt und konnte nur knapp dem Tod entrinnen. Davon ließ sich Saulus jedoch nicht beeindrucken und predigte mutig weiter – mit großem Erfolg. Die junge Kirche erlebte nun eine Zeit des Friedens und des Wachstums.

In diesem Bericht aus der Apostelgeschichte erkennen wir, dass der Zustand der christlichen Gemeinden zunächst beklagenswert war. Sie waren erschüttert, verunsichert und teils traumatisiert.
Verfolgung, Zerstreuung und Misstrauen waren an der Tagesordnung. Und dann greift Gott selbst ein und schafft ausgerechnet in dieser Zeit der Schwäche wieder Wachstum und Frieden. Aus dem Verfolger Saulus wird ein leidenschaftlicher Verkünder der christlichen Botschaft. Die damaligen Christen werden durch reine Gnade neu ausgerichtet, aufgebaut, mit Furcht vor dem Herrn erfüllt und durch den Heiligen Geist getröstet und ermutigt.

Für uns heute, die wir schmerzlich Zeiten des Abfalls vom Glauben erleben und die Profanisierung des Lebens in den Gemeinden bedauern, ist diese Geschichte eine große Hoffnung. Wir dürfen erwarten, dass Gott uns wieder bessere Zeiten schenkt. Das könnte beispielsweise durch kleine Bibelkreise geschehen, in denen eine neue Freude an der Schrift entsteht. Durch persönliche Begegnungen könnten Menschen wieder neu zum Glauben finden. Die Gemeinden würden aus ihrer Lethargie erwachen und erblühen, weil sie vom Heiligen Geist erfüllt werden.

Gebet:
HERR, wir bitten dich: Schenke unseren Gemeinden geistiges Wachstum und Tiefe. Ordne, was durcheinander geraten ist. Gib uns Erbauung, die von dir kommt, und eine Ehrfurcht, die uns neu ausrichtet. Amen.