Andacht Heute

Versöhnung mit sich selbst und dem eigenen Leben

Doch der Herr hat zu mir gesagt: „Meine Gnade ist alles, was du brauchst, denn meine Kraft kommt gerade in der Schwachheit zur vollen Auswirkung.“ Daher will ich nun mit größter Freude und mehr als alles andere meine Schwachheiten rühmen, weil dann die Kraft von Christus in mir wohnt.
2. Korinther 12,9

Es geht heute um die Lebensfrage, wie ich mit meinen Fehlern, Versäumnissen und unerfüllten Wünschen leben kann. Kann mir dabei die Bibel helfen?

Wir kennen diese Entrümpelungssendungen im Fernsehen. Da kommt ein Team in einen Messiehaushalt und löst das ganze Chaos auf. Der Erfolg solcher Sendungen beruht zum großen Teil auf dem sozialen Vergleich. Psychologen sprechen hier von einem Abwärtsvergleich. Das eigene Selbstwertgefühl wird kurzfristig stabilisiert, weil man jemanden sieht, der größere Schwierigkeiten hat. Man denkt vielleicht: „In meinem Leben gibt es manche Probleme, aber immerhin ist es nicht derart außer Kontrolle.“ Allerdings hilft uns das nicht wirklich, weil es uns nicht aus dem ständigen Vergleichen mit anderen und der Beschäftigung mit eigenen Fehlern, Schwächen und Versäumnissen herausführt.

In der Stelle im Korintherbrief geht Paulus auf diese menschliche Problematik ein. Dabei verschiebt er die Perspektive: Paulus erhält nicht die ersehnte Befreiung von seinem Problem, sondern die Zusage, dass Gottes Gnade darin ausreicht. Die Schwäche wird nicht verherrlicht, sondern sie wird zum Ort, an dem Gottes Wirken sichtbar werden kann.

Für uns bedeutet dies, dass wir uns davon lösen können, Fragen wie diese zu stellen: „Wie werde ich meine Fehler los?“ „Wie kann ich Versäumtes nachholen?“ „Wie bekomme ich doch noch, was mir fehlt?“ Nach Paulus müssen wir unsere Schwächen nicht mehr verbergen. Wir müssen nicht mehr unsere Bedeutung aus eigener Stärke ableiten. Unser Wert hängt nicht von einer perfekten Lebensbilanz ab. Wir müssen unser Leben nicht nachträglich perfekt machen. Und was das Wichtigste ist: Wir dürfen gerade in unserer Bedürftigkeit ganz auf Christus vertrauen. Sagen wir uns: „Ja, ich bin unvollkommen. Ja, ich habe Schwächen. Aber gerade deshalb bin ich auf Gottes Gnade angewiesen. Und diese Gnade genügt.“

Ich muss mich nicht länger über andere erheben und mich auch nicht ständig mit ihnen messen. Gott kennt meine Geschichte mit allem Gelungenen und Misslungenen. Er kennt die Entscheidungen, die ich heute anders treffen würde, die Chancen, die ich verpasst habe, und die Wünsche, die unerfüllt geblieben sind. Wenn uns das bewusst ist, dürfen wir uns mit uns selbst und dem eigenen Leben versöhnen. Nicht weil alles gut war, sondern weil Gott auch das Unvollkommene in seinen guten Händen hält.

Gebet
Herr Jesus Christus, du schenkst mir Frieden mit meiner Vergangenheit und Hoffnung auf die Zukunft mit dir. Amen.

Wenn die Zukunft Sorgen macht

„Alle eure Sorge werft auf ihn; denn er sorgt für euch.“
1. Petrus 5,7

    Der Wirtschaftswissenschaftler Prof. Dr. Hans-Werner Sinn zeichnet in einem Vortrag an der Universität Luzern ein sehr ernstes Bild der wirtschaftlichen Entwicklung Deutschlands. Solche Gedanken können Sorgen auslösen:
    Wie steht es um unsere Arbeitsplätze?
    Wie wird die Zukunft unserer Kinder aussehen?
    Werden Frieden, Wohlstand und Sicherheit erhalten bleiben?
    Was kommt noch auf uns zu?
    Sorgen entstehen oft aus Dingen, die wir nicht kontrollieren können.

    Sehen wir uns den heutigen Bibelvers an. Petrus sagt nicht: „Macht euch keine Sorgen, alles wird gut.“ Oder: „Eure Probleme sind gar nicht so schlimm.“ Aber er sagt: „Werft eure Sorgen auf Gott.“

    Das ist die Lebenshilfe dieses Bibelverses: Es sind nicht wir, die durch Nachdenken, Grübeln und Sorgen die Zukunft sichern müssen. Wir sollen verantwortungsvoll handeln, aber wir können niemals alles im Griff haben. Die Zukunft liegt nicht in unseren Händen, sondern in Gottes Hand. Darum müssen wir unsere Last nicht allein tragen. Gott sorgt für uns und trägt die Zukunft bereits. Was uns bleibt, ist das Gebet.

    Gebet
    HERR, oft machen wir uns Sorgen um die Zukunft, um unser Land, um unsere Familien und um unser eigenes Leben. Wir vertrauen darauf, dass du uns damit nicht allein lässt. Amen.

    Lebenshilfe aus der Bibel – eine Einführung

    „Dein Wort ist meines Fußes Leuchte und ein Licht auf meinem Wege.“
    Psalm 119,105

    Wer nachts mit einer Lampe unterwegs ist, kann damit nicht die ganze Landschaft ausleuchten. Er sieht nicht jeden Hügel, nicht jede Wegbiegung und nicht alles, was hinter der nächsten Kurve liegt. Aber er erkennt, wo er den nächsten Schritt setzen kann. Vielleicht beschreibt dieses Bild ziemlich gut, was uns die Bibel geben kann. Sie nimmt uns nicht jede Unsicherheit. Sie erspart uns nicht alle schwierigen Entscheidungen. Und sie bewahrt uns auch nicht vor Enttäuschungen. Aber sie kann uns helfen, den nächsten Schritt zu erkennen.

    Ich möchte mir in den folgenden Andachten Gedanken zur „Lebenshilfe aus der Bibel“ machen. Es kann sein, dass sich der eine oder andere Leser von einer Lebenshilfe vor allem eine praktische Anleitung erwartet: Man muss nur dies tun oder jenes lassen, dann wird alles besser. Doch das Leben ist komplizierter. Zwei Menschen können in einer ähnlichen Situation sein und trotzdem unterschiedliche Wege brauchen. Was dem einen hilft, kann für den anderen unpassend sein. Auch die Bibel nimmt uns das eigene Denken und Entscheiden nicht ab. Ihre Texte wollen verstanden werden. Und wir müssen damit rechnen, dass ein biblisches Wort uns nicht immer nur bestätigt. Manchmal tröstet es uns. Manchmal richtet es uns auf. Manchmal stellt es uns aber auch infrage. Gerade darin kann seine Hilfe liegen. Denn das Licht, von dem der Psalm spricht, ist nicht einfach eine kluge Idee. Es ist Gottes Wort, das uns begleitet und uns daran erinnert, wem wir unser Leben verdanken.

    Gebet
    HERR, öffne uns die Augen für das, was dein Wort uns sagen will. Hilf uns, darin Orientierung für unser Leben zu finden und zu erkennen, was uns trägt und Halt gibt. Amen.