Andacht Heute

Licht und Dunkelheit

Aber der Pfad des Gerechten ist wie der Glanz des Morgenlichts, das immer heller leuchtet bis zum vollen Tag. Der Weg der Gottlosen ist dichte Finsternis; sie wissen nicht, worüber sie straucheln.
Sprüche 4, 18-19

Stehen wir im Leben nicht oft vor Weggabelungen? Welche Ausbildung soll ich machen? Welchen Partner soll ich wählen? In welche Kirchengemeinde soll ich gehen? Es müssen nicht immer die großen Entscheidungen sein, auch im Alltag fragen wir uns oft, was wir tun sollen. In unseren Versen geht es um einen starken Kontrast. Da ist vom „Dunkel” die Rede, das für innere Unruhe, Verwirrung und Selbsttäuschung steht. Wer ohne Orientierung lebt, stolpert leichter über das, was er nicht sieht. Er weiß nicht einmal, was ihn ins Straucheln gebracht hat.

Der Weg im Licht, den die Gerechten einschlagen, ist ein Bild für Orientierung im Leben. Diese entsteht nicht auf einen Schlag, sondern wächst. Die Gerechten sind nicht das Licht, aber ihr Weg wird hell für sie. Selbst wenn der Anfang noch grau und unsicher ist, wenn ihre Ausrichtung stimmt, nimmt das Licht immer mehr zu. Es ist ein Prozess zunehmender Klarheit. Das Licht macht die Welt für einen Gläubigen erkennbarer. Wer sich an Gottes Weisheit orientiert, sieht Zusammenhänge deutlicher – im eigenen Leben, in Beziehungen und bei Entscheidungen. Gerade in Krisenzeiten kann dieses Bild vom zunehmenden Glanz auf dem Weg Mut machen. Das Licht wächst nicht durch Leistung, sondern durch Treue im Gehen.

Vorsicht bei Heilungsveranstaltungen

„Leidet jemand unter euch? Er bete“
Jakobus 5,13

Ich möchte heute auf einen Artikel von Markus Mayer hinweisen. Hier wird überzeugend dargelegt, dass die Lehre „Gott will jeden körperlich heilen“ weder dem Neuen Testament entspricht noch der Realität biblischer Beispiele. Christen können krank sein, ohne dass dies ein Glaubensmangel wäre; viele charismatische Heilungspraktiken beruhen auf falscher Exegese, psychologischem Erwartungsdruck und nicht überprüfbaren „Heilungen“. Die angemessene biblische Antwort auf Krankheit ist Gebet, Vertrauen und gegebenenfalls medizinische Hilfe – nicht der Besuch von Heilungsveranstaltungen.

https://www.evangeliums.net/fragen/frage_irrlehre_bei_heilungsveranstaltungen.html

Paul Gerhardts Lieder

Lasst das Wort Christi reichlich unter euch wohnen; lehrt und ermahnt einander in aller Weisheit; singt Gott dankbar in euren Herzen Psalmen, Lobgesänge und geistliche Lieder.
Kolosser 3,16

Im Jahr 2026 feiern wir Paul Gerhardt als Dichter, der das „Wort Christi“ in poetische Sprache und singbare Form gebracht hat. Seine Lieder betonen bis heute das gegenseitige Lehren und Ermahnen. Sie tragen, trösten, verbinden und geben Sprache für das, was Menschen glauben und hoffen.

Am Beispiel seines bekannten Liedes „Geh aus, mein Herz, und suche Freud“ (Ev. Gesangsbuch 503) kann man zeigen, wie die heute allseits bekannte Fassung entstanden ist. Text und Melodie standen jedenfalls nicht gleich von Anfang an fest, wie man vielleicht vermuten könnte. Paul Gerhardt (1607–1676), Pastor der Nicolaikirche in Berlin, schuf den Text, zu dem der dortige Kantor eine barocke Melodie komponierte und in sein Gesangsbuch von 1653 aufnahm. Diese Melodie setzte sich jedoch nicht durch und verschwand im 18. Jahrhundert weitgehend aus dem Gemeindegesang. Später kam Augustin Harder (1775–1813) ins Spiel, der eine Melodie zu Ludwig Höltys Frühlingslied „Die Luft ist blau, das Tal ist grün“ geschrieben hatte. Sie ist typisch frühromantisch: eingängig, volksliednah und leicht singbar. Genau diese Qualitäten machten sie später für den Gemeindegesang attraktiv. Es war der Musikpädagoge und Herausgeber Heinrich Eickhoff (1807–1880), der Harders Melodie dem Gerhardt-Lied unterlegte.

In dieser Form wurde das Lied in das Evangelische Gesangbuch von 1915 aufgenommen und erlangte die gleiche Popularität wie andere Lieder Paul Gerhardts, darunter „Nun ruhen alle Wälder” (EG 477), „Ich bin ein Gast auf Erden” (EG 529), „Lobe den Herren” (EG 447) und „Nun danket alle und bringet Ehr” (EG 322). In seinem Lied „Geh, aus mein Herz“ steht eine Strophe, die programmatisch ist für sein ganzes Schaffen und dafür steht, wie wir singen sollten:

„Ich selber kann und mag nicht ruhn,
des großen Gottes großes Tun
erweckt mir alle Sinnen;
ich singe mit, wenn alles singt,
und lasse, was dem Höchsten klingt,
aus meinem Herzen rinnen,
aus meinem Herzen rinnen.“