Andacht Heute

Nur noch Liebe ohne Gebote?

„Denn dies ist die Liebe zu Gott, dass wir seine Gebote halten; und seine Gebote sind nicht schwer.“
1. Johannes 5,3

Dass Christen im Neuen Bund leben, ist klassischer christlicher Glaube. Das Neue Testament spricht an mehreren Stellen davon (Jeremia 31; Lukas 22,20; Hebräer 8). Niemand muss unter dem mosaischen Gesetz gerettet werden, denn gerettet werden wir allein durch Christus. Soweit, so gut. In charismatischen Kreisen erleben wir jedoch oft eine radikale Betonung des Neuen Bundes. Daraus wird gefolgert: Das Alte Testament habe für Christen kaum noch Bedeutung. Sünde solle möglichst nicht mehr thematisiert werden. Buße wird als „gesetzlich” verstanden. Gebote würden als Gegensatz zur Gnade betrachtet. Gleichzeitig taucht der Begriff „Liebe“ beinahe inflationär auf. Doch wenn Liebe nicht näher bestimmt wird, besteht die Gefahr, dass jeder etwas anderes darunter versteht. Die Bibel hingegen beschreibt Liebe nicht nur als Gefühl, sondern auch als gelebten Gehorsam gegenüber Gott.

Der Vers aus dem 1. Johannesbrief verbindet genau das, was oft gegeneinander ausgespielt wird: Liebe und Gebot. Johannes stellt sie nicht als Gegensätze dar, sondern als Einheit. Das Neue Testament ersetzt also nicht die Heiligung durch Liebe, sondern verbindet beides. Liebe wird konkret in Gehorsam gegenüber Christus. Die reformatorische und auch große Teile der freikirchlichen Theologie sagen zugleich:

  • Das Alte Testament bleibt Gottes Wort.
  • Die Zehn Gebote offenbaren weiterhin Gottes Charakter.
  • Erlösung geschieht aus Gnade.
  • Gehorsam ist Frucht der Erlösung, nicht deren Voraussetzung.

Wer nur von Liebe spricht und die Frage nach der Sünde ausblendet, verkürzt das Evangelium. Wer nur von Geboten spricht und die Liebe Gottes vergisst, verkürzt es ebenso. Die Wahrheit des Evangeliums lautet: Gott liebt uns so sehr, dass er uns annimmt, wie wir sind. Aber er liebt uns auch zu sehr, um uns so zu lassen, wie wir sind. Darum wollen wir die ganze Schrift ernst nehmen. Wir wollen das Alte Testament nicht gegen das Neue ausspielen. Wir wollen weder die Gebote über die Gnade stellen noch die Gnade gegen die Gebote ausspielen.

Gebet
HERR Jesus Christus, hilf uns, die ganze Heilige Schrift zu ehren und nicht das auszuwählen, was unseren Vorstellungen entspricht. Zeige uns unsere Sünde, aber lass uns dabei nie die Größe deiner Vergebung vergessen. Amen.

Wenn Zweifel an der Auferstehung aufkommen

„Ist Christus aber nicht auferweckt worden, so ist unsere Verkündigung vergeblich, vergeblich auch euer Glaube.“
1. Korinther 15,14

    Der Journalist Peter Hahne, der von 1992 bis 2009 dem Rat der EKD angehörte, kritisiert seit Jahren, dass Teile der Amtskirche und moderne Theologen das Evangelium verwässern. Besonders entschieden widerspricht er Deutungen, die die Auferstehung Jesu lediglich als Sinnbild, innere Erfahrung oder psychologische Vision der Jünger verstehen. Für ihn steht damit nicht eine Randfrage zur Diskussion, sondern das Herzstück des christlichen Glaubens. Dabei beruft er sich häufig auf die obigen Worte des Apostels Paulus. Als diese Zeilen geschrieben wurden, waren seit Kreuzigung und Auferstehung nur etwa zwei Jahrzehnte vergangen. Viele Augenzeugen lebten noch. Paulus verweist ausdrücklich auf Menschen, die den Auferstandenen gesehen hatten und befragt werden konnten. Der christliche Glaube gründet deshalb nicht auf einer Idee oder einem schönen Gefühl, sondern auf dem Zeugnis von Gottes Handeln in der Geschichte.

    Auch die Kirchenväter, die uns in den vergangenen Andachten beschäftigt haben, hielten daran fest. Sie bekannten Jesus nicht nur als Lehrer oder Propheten, sondern als Gott und Herrn. Athanasius argumentierte: Wenn Christus nicht wirklich Gott ist, kann er die Menschheit nicht wirklich mit Gott versöhnen. Nur Gott selbst kann retten. Wäre Jesus lediglich ein Geschöpf, bliebe die Kluft zwischen Gott und Mensch letztlich unüberwindbar. Dasselbe gilt für die Auferstehung. Wenn Christus nicht leiblich auferstanden ist, dann hat der Tod letztlich doch das letzte Wort. Dann bleibt das Evangelium eine schöne Hoffnung, aber keine rettende Wirklichkeit. Wenn Christus jedoch wahrhaft auferstanden ist, dann ist die Macht der Sünde gebrochen, der Tod besiegt und der Weg zu Gott geöffnet. Darum ist die Auferstehung nicht ein nebensächlicher Glaubenssatz. Sie ist das Fundament, auf dem alles steht.

    Gebet
    HERR Jesus Christus, stärke unseren Glauben, wenn Zweifel laut werden und vieles in Frage gestellt wird. Bewahre uns davor, die Botschaft des Evangeliums an den Zeitgeist anzupassen. Amen.

    Ein Prediger mit Herz und Klarheit

    „Seid aber Täter des Wortes und nicht Hörer allein, die sich selbst betrügen.“
    Jakobus 1,22

    Johannes Chrysostomus (349–407) war Erzbischof von Konstantinopel und ein bedeutender Prediger seiner Zeit. Er war einer der wichtigsten Begründer der Homiletik, also der Lehre von der Predigt. Dabei geht es um die Auslegung (Exegese) von Bibeltexten und ihre verständliche Vermittlung an die Gemeinde, auch um den sinnvollen Aufbau einer Predigt und um hilfreiche rhetorische Mittel. Chrysostomus bevorzugte eine klare Sprache und wählte lebensnahe Themen. Er befasste sich damit, wie sich die Lehren der Bibel ins tägliche Leben übertragen lassen. Über die Aufgabe des Predigers sagte er: „Wir bekleiden nur den Rang eines mahnenden Ratgebers. Der Ratgeber sagt seine Meinung, ohne auf den Zuhörer Zwang auszuüben. Er überlässt es dem Zuhörer, sich für oder gegen das Gesagte zu entscheiden.“

    Johannes Chrysostomos predigte klar und eindringlich. Er wollte seine Hörer zur Umkehr bewegen, ohne sie unnötig zu verletzen. Mit großer Menschenkenntnis griff er Alltagserfahrungen, Bilder aus Medizin, Sport und Krieg sowie bekannte Sprichwörter auf. Die Heilige Schrift liebte er leidenschaftlich und verglich sie mit einer blumenreichen Wiese, einem Bergwerk voller Schätze und einer Sammlung kostbarer Edelsteine. Besonders setzte er sich für die Armen ein und rief seine Gemeinde zu einem glaubwürdigen christlichen Lebensstil auf.

    Chrysostomos betrachtete die Bibel nicht als Schmuckstück für das Regal, sondern als Schatz für das Leben. Er fragte sich, wie man das Wertvolle in ihr darstellen könne, sodass es allen einleuchtet. Das bringt mich auf die Idee, dass wir uns beim Lesen der Bibel vorstellen könnten, wir hätten den Auftrag, darüber eine Predigt zu halten, in der wir den Sinn des Textes so verständlich weitergeben, dass andere ihn erkennen können.

    Gebet
    HERR Jesus Christus, danke für dein Wort. Hilf uns, aufmerksam auf dich zu hören und das Gute, das wir erkennen, auch umzusetzen. Amen.