Andacht Heute

Nach oben schauen statt nach innen verkrampfen

Und der HERR sprach zu Kain: Warum bist du so wütend, und warum senkt sich dein Angesicht? Ist es nicht so: Wenn du Gutes tust, so darfst du dein Haupt erheben? Wenn du aber nicht Gutes tust, so lauert die Sünde vor der Tür, und ihr Verlangen ist auf dich gerichtet; du aber sollst über sie herrschen!
1. Mose 4,6-7

    Ein Beispiel aus dem Arbeitsleben: Ich stelle mir vor, wie mein Kollege von einem Vorgesetzten gelobt wird. Obwohl ich mindestens ebenso viel Arbeit geleistet habe, wird das nicht anerkannt. Ähnliches erlebt Kain. Er bringt sein Opfer, doch Gott sieht nur Abel an. Für Kain ist das eine große Ungerechtigkeit, die ihn in die Verbitterung und schließlich zur Rache führt. Dabei hat Gott ihm einen Weg gewiesen, der ihn vor Sünde und Selbstzerstörung bewahrt hätte.

    Wenn wir uns in ähnlichen Situationen befinden, sollten wir daran denken, dass ein Leben ohne Ungerechtigkeiten nicht möglich ist. Unser Wunsch nach Gerechtigkeit ist oft nur verkleideter Egoismus. Wir sollten akzeptieren, wenn sich andere so entscheiden, wie sie es für richtig halten, auch wenn es nicht unseren Wünschen entspricht. Nicht jede Bevorzugung ist eine Abwertung. Nicht alles, was uns nicht passt, muss gleich zu einer Kränkung führen. Gott ruft uns nicht dazu auf, jede Ungerechtigkeit zu bekämpfen, sondern unseren Hang zur Verbitterung zu beherrschen. Ändern wir unsere Blickrichtung: Weg von der eigenen Verletzung und hin zu dem, was der Herr uns zeigt, damit wir nicht im Gefühl der Ungerechtigkeit stecken bleiben, sondern in seinem Willen Frieden finden.

    Gebet
    HERR, zeige uns den Weg aus Sünde und Verbitterung, wenn wir uns ungerecht behandelt fühlen. Schenke uns ein Herz, das nicht nach Vergeltung ruft, sondern nach deinem Frieden. Amen.

    Der vorübergehende Vorteil der Lüge

    Die Wahrheit besteht, die Lüge nicht.
    Sprüche 12,19

    Da gibt es den Fall eines schwarzen Ex-Professors, der es mittels Plagiaten und einem erfundenen Lebenslauf geschafft hat, an einer angesehenen, britischen Universität Karriere zu machen. Eine Lüge kann also erstaunlich gut funktionieren. Sie kann Türen öffnen. Sie kann sogar Karriere ermöglichen. Man kann mit ihr schneller vorankommen. Die Lüge lebt davon, dass niemand genauer hinschaut. Und manchmal funktioniert das erstaunlich gut. Eine beeindruckende Fassade, ein glänzender Aufstieg, und doch ist alles auf Sand gebaut.

    Irgendwann kommt dann meist der Punkt, an dem die Lüge nicht mehr trägt. Man kann nicht ewig auf einer erfundenen Geschichte stehen. Man kann nicht dauerhaft von einer Fassade leben. Die Wahrheit kommt ans Licht. Der junge Mann musste seinen Professortitel ablegen. Er hat mit seinen Lügen jegliches Vertrauen in seine Person für immer zerstört.

    Gebet
    HERR, du kennst unsere Versuchung zur Lüge. Du weißt, wie leicht wir uns selbst etwas vormachen und wie schnell wir uns in Geschichten verlieren, die nicht tragen. Schenke uns den Mut zur Wahrheit. Sie ist es, die uns heilt und befreit. Amen.

    Beten hat nichts mit Überreden zu tun

    „Bittet, so wird euch gegeben; sucht, so werdet ihr finden; klopft an, so wird euch aufgetan!“
    Matthäus 7,7

    Sicherlich ist es nicht verkehrt, Kommentare zu Bibelversen zu lesen. Wir sollten dies jedoch nicht unkritisch tun. So lese ich beispielsweise in „Enduring Word“, einem Bibelkommentar des US-amerikanischen Pastors David Guzik: „Gott schätzt Ausdauer und Leidenschaft im Gebet, weil sie zeigen, dass wir ähnlich empfinden wie er.“ Hier wird über das Innenleben Gottes gesprochen, als könne man es kennen. Der Autor greift zu psychologischen Behauptungen über Gott, die er nicht belegen kann. Das klingt fromm, ist aber nur eine menschliche Projektion. In der Bibel steht nicht, dass Gott Ausdauer „schätzt“. Sie sagt lediglich, dass Jesus zum Bitten, Suchen und Anklopfen auffordert. Es ist auch falsch zu behaupten, dass es nur von der Intensität unseres Gebets abhängt, ob wir bei Gott etwas erreichen können. Guzik sagt allen Ernstes: „Viele unserer leidenschaftslosen Gebete werden aus gutem Grund nicht beantwortet, denn es ist fast so, als würden wir Gott bitten, sich um etwas zu kümmern, das uns wenig oder gar nichts bedeutet.“ In der Bibel steht nichts davon, dass wir, je intensiver wir beten, desto eher etwas bekommen. Das würde sich nach Manipulation und magischem Denken anhören. Ausdauer und Intensität im Gebet sind keine Versuche, Gott zu überreden. So, als würde man seinen Nachbarn nerven, damit er einem die Tür öffnet. Sie sind Ausdruck unseres Vertrauens und unserer Sehnsucht nach Gottes Willen. Sie verändert nicht Gottes Herz, sondern unser eigenes. Gebet drückt Vertrauen aus. Es ist die Anerkennung des Willens Gottes und der dankbare Ausdruck für seine Gnade.

    Gebet
    Herr Jesus, du lädst uns ein, mit all unseren Bitten zu dir zu kommen. Wir müssen dich nicht zu etwas überreden. Du gibst uns, was wir brauchen, weil du uns liebst. Amen.