Andacht Heute

Der Blick nach vorn

Dann forderte Jesus ihn auf: „Folge mir nach!“
Johannes 21,19

„Viele Menschen blicken zurück, weil die Zukunft ihnen keine Freude mehr bereitet.“ So stand es in einem Kommentar, den ich gelesen habe. Zukunftslust wird definiert als die Freude auf das Kommende, die Erwartung, dass Neues, Gutes kommt. Es ist die Neugier darauf, was der neue Tag bringen mag. Ist es wirklich so, dass heute die Zukunftslust verloren gegangen ist, dass früher das Neue reizte, heute aber abschreckt?

Wenn die Diagnose „abhandengekommene Zukunftslust“ stimmt, dann ist der nostalgisch-verklärte Blick auf die Vergangenheit sicher nicht die Lösung für das Problem. Denn: Früher war nicht alles besser. Um angesichts der aktuellen gesellschaftlichen Umbrüche nicht zu verzagen, ist eine andere Einstellung erforderlich. Es ist die christliche Hoffnung auf eine wunderbare Zukunft, die uns erwartet, wenn wir Jesus nachfolgen. Er sagte zu Petrus einen Satz, der immer nach vorne zeigt: „Folge mir nach!“ Wenn wir uns in seinen Dienst stellen, kehren mit der Freude an unserer Berufung auch Experimentierlust und Gestaltungswille zurück. Durch unsere Bereitschaft zur Veränderung bleiben wir geistlich beweglich. Glaube ist immer Bewegung. Er ist kein Rückzug auf das Vergangene, sondern ein Aufbruch.

Gebet
Herr Jesus Christus, bewahre uns davor, in der Vergangenheit hängen zu bleiben. Schenke uns Mut und Hoffnung für das, was kommt. Führe uns in deine Zukunft. Amen.

So vieles nervt mich jetzt

Ich bin zur Ruhe gekommen, mein Herz ist zufrieden und still. Wie ein kleines Kind in den Armen seiner Mutter, so ruhig und geborgen bin ich bei dir!
Psalm 131,2

Wie ich erfahren habe, gibt es ein bekanntes psychologisches Phänomen, das Menschen wie mich betrifft. Wir sind in einer Lebensphase angekommen, in der die großen Anforderungen weggefallen sind. Früher waren Beruf und die damit verbundene Verantwortung dominierend. Nun könnte man sich eigentlich zurücklehnen und gelassen dem Treiben in der Welt zusehen. Wir sind aber im Rentenalter immer noch im Ordnungs- und Kompetenzmodus. Unser Gehirn ist ein Problemlösungsapparat. Wenn es keine großen Probleme mehr gibt, sucht es sich kleine, um seine Aktivität zu rechtfertigen. Schon morgens sehe ich, dass die Zahnpastatube bald leer ist und ich Ersatz besorgen muss. Mit dem Fahrrad fahre ich zur nächsten Drogerie und merke, dass die Gangschaltung nicht perfekt eingestellt ist. Ich denke an eine E-Mail, die ich vor Tagen abgeschickt habe und die noch immer nicht beantwortet wurde. So geht es weiter, von Kleinigkeit zu Kleinigkeit. All das sind Mikroverletzungen meiner Ordnung, Autonomie und Kompetenz. Früher habe ich solche kleinen Irritationen gar nicht bemerkt, da sie von den großen Aufgaben überdeckt wurden. Jetzt, da ich älter bin, habe ich mehr Zeit, um Störungen zu registrieren, eine höhere Sensibilität für Kontrollverlust und eine geringere Toleranz für Nachlässigkeiten anderer.

Was könnte helfen, wenn mich dieser Kleinkram nervt? Anstatt mich darüber aufzuregen, könnte ich mir sagen: Ich bin nicht kleinlich, sondern wach. Ich nehme Dinge wahr, die andere übersehen. Das ist eine Stärke, keine Schwäche.

Eine noch bessere Hilfe ist unser Bibelvers. Wir können zur Ruhe kommen, wenn wir Gott auch die kleinen Dinge überlassen. Nicht, weil sie unwichtig wären, sondern weil sie uns nicht bestimmen sollen.

Übrigens wurde die neue Zahnpastatube inzwischen besorgt, und die Gangschaltung hat ein junger Techniker innerhalb weniger Minuten perfekt eingestellt. Meine Mail ist allerdings immer noch ohne Antwort. Ich denke jetzt: Vielleicht gibt es noch wichtigere Dinge in der Welt als meine Frage.

Gebet
HERR, du kennst meine kleinen Unruhen und meine stillen Ärgernisse. Du weißt, wie leicht mich manches aus der Balance bringt. Schenke mir ein Herz, das die Dinge sieht, aber nicht von ihnen gefangen wird. Gib mir Gelassenheit im Kleinen
und Vertrauen im Großen. Amen.

Schwierige Stellen in der Bibel

In diesen ⟨Briefen⟩ ist einiges schwer zu verstehen, was die Unwissenden und Ungefestigten verdrehen, wie auch die übrigen Schriften zu ihrem eigenen Verderben.
2. Petrus 3,16

    Petrus sagt hier ausdrücklich, dass es in den Paulusbriefen „einiges schwer zu verstehen“ gibt. Er befreit uns davor zu meinen, dass wir alles darin in vollem Umfang verstehen müssten. Es gibt allerdings Interpreten, die es sich zu leicht machen. Entweder sind sie unwissend, das heißt ohne Grundkenntnisse der Bibel, oder sie sind ungefestigt, das heißt ohne geistliche Stabilität und ohne den Willen, in der Nachfolge zu leben. Beide Gruppen lesen die Schrift nicht, um sich korrigieren zu lassen, sondern um ihre eigenen Vorstellungen zu bestätigen. Wer aber die Bibel nur liest, ums sich selbst recht zu geben, wird sie zwangsläufig verdrehen.

    Wie ist also der richtige Umgang mit schwierigen Stellen in der Bibel? Wie schützen wir uns vor eigenmächtiger Auslegung, Irrlehre und geistiger Verwirrung? Wir sollten auf unsere innere Haltung achten und uns fragen: Bin ich belehrbar? Bin ich bereit, mich korrigieren zu lassen? Suche ich Gottes Willen oder nur die Bestätigung meiner Meinung? Gut ist es, die Bibel in Gemeinschaft zu lesen, weil schwierige Stellen das Gespräch und die ehrliche Auseinandersetzung brauchen. Hüten wir uns auch vor allzu selbstsicher auftretenden Lehrern, die auf alles und jedes eine Erklärung bereithalten. Bleiben wir dagegen wachsam gegenüber Verdrehungen und sorgfältig und demütig dem Wort Gottes Wort gegenüber.

    Gebet
    HERR Jesus Christus, du hast uns dein Wort gegeben, damit es uns leitet, stärkt und aufrichtet. Bewahre uns davor, leichtfertig zu werden oder nur das zu hören, was uns gefällt. Amen.