Andacht Heute

Der vorübergehende Vorteil der Lüge

Die Wahrheit besteht, die Lüge nicht.
Sprüche 12,19

Da gibt es den Fall eines schwarzen Ex-Professors, der es mittels Plagiaten und einem erfundenen Lebenslauf geschafft hat, an einer angesehenen, britischen Universität Karriere zu machen. Eine Lüge kann also erstaunlich gut funktionieren. Sie kann Türen öffnen. Sie kann sogar Karriere ermöglichen. Man kann mit ihr schneller vorankommen. Die Lüge lebt davon, dass niemand genauer hinschaut. Und manchmal funktioniert das erstaunlich gut. Eine beeindruckende Fassade, ein glänzender Aufstieg, und doch ist alles auf Sand gebaut.

Irgendwann kommt dann meist der Punkt, an dem die Lüge nicht mehr trägt. Man kann nicht ewig auf einer erfundenen Geschichte stehen. Man kann nicht dauerhaft von einer Fassade leben. Die Wahrheit kommt ans Licht. Der junge Mann musste seinen Professortitel ablegen. Er hat mit seinen Lügen jegliches Vertrauen in seine Person für immer zerstört.

Gebet
HERR, du kennst unsere Versuchung zur Lüge. Du weißt, wie leicht wir uns selbst etwas vormachen und wie schnell wir uns in Geschichten verlieren, die nicht tragen. Schenke uns den Mut zur Wahrheit. Sie ist es, die uns heilt und befreit. Amen.

Beten hat nichts mit Überreden zu tun

„Bittet, so wird euch gegeben; sucht, so werdet ihr finden; klopft an, so wird euch aufgetan!“
Matthäus 7,7

Sicherlich ist es nicht verkehrt, Kommentare zu Bibelversen zu lesen. Wir sollten dies jedoch nicht unkritisch tun. So lese ich beispielsweise in „Enduring Word“, einem Bibelkommentar des US-amerikanischen Pastors David Guzik: „Gott schätzt Ausdauer und Leidenschaft im Gebet, weil sie zeigen, dass wir ähnlich empfinden wie er.“ Hier wird über das Innenleben Gottes gesprochen, als könne man es kennen. Der Autor greift zu psychologischen Behauptungen über Gott, die er nicht belegen kann. Das klingt fromm, ist aber nur eine menschliche Projektion. In der Bibel steht nicht, dass Gott Ausdauer „schätzt“. Sie sagt lediglich, dass Jesus zum Bitten, Suchen und Anklopfen auffordert. Es ist auch falsch zu behaupten, dass es nur von der Intensität unseres Gebets abhängt, ob wir bei Gott etwas erreichen können. Guzik sagt allen Ernstes: „Viele unserer leidenschaftslosen Gebete werden aus gutem Grund nicht beantwortet, denn es ist fast so, als würden wir Gott bitten, sich um etwas zu kümmern, das uns wenig oder gar nichts bedeutet.“ In der Bibel steht nichts davon, dass wir, je intensiver wir beten, desto eher etwas bekommen. Das würde sich nach Manipulation und magischem Denken anhören. Ausdauer und Intensität im Gebet sind keine Versuche, Gott zu überreden. So, als würde man seinen Nachbarn nerven, damit er einem die Tür öffnet. Sie sind Ausdruck unseres Vertrauens und unserer Sehnsucht nach Gottes Willen. Sie verändert nicht Gottes Herz, sondern unser eigenes. Gebet drückt Vertrauen aus. Es ist die Anerkennung des Willens Gottes und der dankbare Ausdruck für seine Gnade.

Gebet
Herr Jesus, du lädst uns ein, mit all unseren Bitten zu dir zu kommen. Wir müssen dich nicht zu etwas überreden. Du gibst uns, was wir brauchen, weil du uns liebst. Amen.

Frieden und Zugang – für alle

Und er kam und verkündigte Frieden euch, den Fernen, und den Nahen; denn durch ihn haben wir beide den Zutritt zu dem Vater in einem Geist. 
Epheser 2,17-18

„Wenn Konflikte zwischen christlichen Gruppen mit unterschiedlichem Hintergrund entstehen, kann man sicher sein, dass sie vergessen haben, dass sie durch dasselbe Evangelium gerettet wurden und denselben Zugang zu Gott haben. Eine oder beide Gruppen haben normalerweise das Gefühl, einen besseren Zugang zu Gott zu haben.“ (Enduring Word)

Stellen wir uns zwei christliche Hauskreise vor: Gruppe A arbeitet sehr textorientiert. Sie liest die Bibel Satz für Satz, stellt Fragen, prüft Formulierungen, bleibt eng am Text. Gruppe B ist eher enthusiastisch. Sie betet frei, teilt Eindrücke, singt spontan, spricht viel über persönliche Erfahrungen mit Gott.

Beide Hauskreise lieben Christus, lesen die Bibel, beten und suchen Gottes Nähe. Doch irgendwann entsteht Spannung, weil die einen sagen: „Nur wer am Text bleibt, bleibt wirklich bei Gott.“ Und die anderen sagen „Nur wer sich vom Geist begeistern lässt, erlebt Gott wirklich.“ Beide meinen es gut.

Aber beide haben — ohne es zu merken — einen Zugang zu Gott definiert, der über Christus hinausgeht. Paulus erinnert uns daran: Christus hat Frieden verkündigt — den Fernen und den Nahen. Durch ihn haben alle Zugang zum Vater, in einem Geist. Und unser Zugang zu Gott hängt nicht von Stil, Form oder Tradition ab, sondern allein von Christus. Wo wir das vergessen, verlieren wir den Frieden, den er uns geschenkt hat.

Gebet:
HERR, bewahre uns davor, unseren eigenen Weg zu dir für den einzig richtigen zu halten. Schenke uns Demut, Liebe und den Blick für die Einheit, die du geschaffen hast. Lass uns einander nicht nach Formen beurteilen, sondern nach der Gnade, die uns alle trägt. Amen.