Andacht Heute

Vom Guten satt, zum Aufbruch bereit

Der mit Gutem sättigt dein Leben. Deine Jugend erneuert sich wie bei einem Adler.
Psalm 103,5

Wir leben in einer Zeit, in der vieles verspricht, uns zu erfüllen: Ablenkung, Konsum, ständige Reize, Selbstoptimierung. Das kann leicht zur Sucht werden, weil wir innerlich hungrig sind. Doch dieser Hunger wird nicht gestillt. Er wird nur betäubt. In der Bibel heißt es, dass Gott uns mit „Gutem sättigt”. Das ist nicht das, was uns nur flüchtig stimuliert, sondern das, was uns trägt. Es können Aufgaben sein, die Sinn stiften und dem Herzen Frieden schenken. Dazu ist es nötig, dass wir das Gute, das von Gott kommt, auch zu schätzen wissen. Es schadet nicht, dies auch in Wort und Gebet auszudrücken.

Das Bild vom Adler ist hoffnungsvoll für das Alter. Er wird zwar nicht jünger, ist aber auch im Alter noch fähig, sich zu erheben. Auch wenn die Kräfte schwinden, kann Gott uns neue innere Kraft schenken. Auch wenn man vieles hinter sich hat, kann man sich noch einmal emporschwingen. „Jugend“ meint hier nicht das biologische Alter, sondern die innere Beweglichkeit, die Fähigkeit, sich noch einmal begeistern zu lassen, sich noch einmal einzusetzen und noch einmal aufzubrechen.

Fazit: Wer mit Gutem gesättigt wird, wird frei von dem, was ihn abhängig macht. Wer wie ein Adler erneuert wird, bekommt Mut für Neues – auch im Alter.

Gebet
HERR, danke, dass du mich sättigst und erneuerst. Lass mich das Gute erkennen, das du gibst, und lehre mich, mich immer wieder neu zu dir aufzuschwingen. Amen.

Wenn Gott uns aus dem Grau herauszieht

Der dein Leben vom Verderben erlöst, der dich krönt mit Gnade und Barmherzigkeit.
Psalm 103,4

Die Münchner Geschichten ist eine TV-Serie aus den 1970er Jahren, die noch heute populär ist. Darin trat der Volksschauspieler Karl Obermayr als Wirt auf, der über die Sinnhaftigkeit seines Daseins sinniert: „Und dann sperr’ ma’ wieder auf und dann sperr’ ma’ wieder zua …“ Viele Menschen erleben Zeiten, in denen das Leben grau wird. Oft ist es ein schleichender Prozess. Man steht morgens auf und spürt: Wozu eigentlich? Aufgaben werden zwar erledigt, erfüllen aber nicht mehr. Das ist eine Form des Verderbens, wie sie im Psalm beschrieben wird.

Gott kann uns aus dem Gefühl herausziehen, dass unser Leben wertlos ist. Es kann ein Wort sein, das uns wieder aufrichtet. Die Begegnung mit einem Menschen, der sich uns zuwendet, kann uns zeigen: „Ich bin nicht allen egal.“ Ein Bibelvers lässt aufmerken: „Du bist gewollt.“ Vielleicht erkennen wir, dass wir uns seit Jahren kleinreden, und beginnen plötzlich, anders über uns zu sprechen. Niemand verlangt von uns, dass wir uns für unsere bloße Existenz entschuldigen. Wir dürfen jederzeit mit Überzeugung in ein Gespräch sagen: „Ich bin der Meinung, …” oder „Ich sehe das so: …”. Gott schenkt uns eine Würde, die nicht von unserer Leistung und unserem Ansehen abhängt. Wir dürfen uns über seine „Gnade und Barmherzigkeit” freuen. „Krönung durch Gott” bedeutet: „Du hast Wert. Du hast Würde.” Er erhebt uns zu dem, was wir in seinen Augen sind: Jeder von uns ist ein einzigartiges Geschöpf, das von Gott geliebt wird.

Gebet
HERR, du kennst das, was uns zerstört, und du lässt uns nicht darin verderben. Danke, dass du uns herausziehst aus Sinnlosigkeit, aus Selbstabwertung, aus innerer Dunkelheit. Amen.

Vergebung und Heilung

Er vergibt dir all deine Schuld und heilt alle deine Krankheiten.
Psalm 103,3

Wie hängen Schuld und Krankheit zusammen? Es sind zwei Bereiche, die wir am liebsten verbergen würden. Schuld macht uns angreifbar und Krankheit lässt uns schwach erscheinen. Doch Gott kennt uns durch und durch. Vor ihm müssen wir ehrlich sein. Wie dankbar müssen wir ihm doch sein: Er ist es, der uns alle unsere Schuld vergibt. Das bedeutet für uns, dass wir nicht mehr mit unseren alten Lasten leben müssen. Wir müssen auch nicht ständig beweisen, dass wir „besser” geworden sind. Und wir dürfen aufhören, uns selbst zu verurteilen. Wenn im Psalmvers davon die Rede ist, dass Gott alle Krankheiten von uns nimmt, dann sind damit nicht nur die körperlichen gemeint. Es geht auch um innere Brüche, seelische Wunden, verzerrte Selbstbilder, Angst, Scham und Erschöpfung. Gott geht also an die Ursachen und nicht nur an die Symptome. Es geht nicht darum, dass wir in dieser Welt funktionieren, sondern dass wir frei werden und wirklich leben.

Wie Schuld und Krankheit gehören auch Vergebung und Heilung zusammen. Das eine kann es nicht ohne das andere geben. Wir würden mit uns unversöhnt bleiben, wenn uns Gott zwar geheilt, er uns aber nicht vergeben hätte. Konkret bedeutet das: Wir dürfen Gott etwas zeigen, das wir bisher versteckt haben. Wir dürfen etwas loslassen, das uns schon lange belastet. Wir dürfen glauben, dass Heilung möglich ist, selbst dort, wo wir sie nicht mehr erwarten. Wir dürfen neu leben – nicht aus Angst, sondern aus Gnade.

Gebet
HERR, vergib mir, was mich von dir trennt. Heile, was in mir verletzt ist. Mach mein Herz frei, damit ich heute aus deiner Gnade leben kann. Amen.