Andacht Heute

Der einzig sichere Halt

Dann ist der HERR dem Unterdrückten eine Festung, eine Festung in Zeiten der Bedrängnis. Und auf dich vertrauen, die deinen Namen kennen; denn du hast nicht verlassen, die dich suchen, HERR.
Psalm 9,10-11

Der Psalm 9 ist ein Lied aus unruhigen Zeiten. David singt es, während er von Feinden bedrängt wird, in einer Zeit, in der viel Unrecht geschieht und die Welt zu wanken scheint. Die heutige Welt ist nicht ruhiger geworden. In der Ukraine und im Nahen Osten herrscht Krieg. Viele Menschen wissen nicht, wie es weitergeht. Auch in unserem Land ist einiges ins Wanken geraten. Man spricht bereits von einer gespaltenen Gesellschaft. Selbstverständliche Rechte einer Demokratie, wie das, eine andere Meinung zu vertreten, werden infrage gestellt. Von Gott sollte nur in universaler Weise gesprochen werden, bedeutet man uns. Unseren Gott, den Gott der Christen, als einzig verehrungswürdig zu preisen, scheint vielen gegenüber den anderen Religionen unzumutbar zu sein. Doch wir lassen uns nicht verunsichern, indem uns Vorschriften gemacht werden von jenen, die selbst nichts von Gott wissen wollen. Wir Christen haben einen entscheidenden Vorteil: Wir wissen, dass wir in unserem Herrn einen sicheren Halt haben. Er ist die Hoffnung der Armen und Unterdrückten. In aller Bedrängnis ist er eine sichere Festung für alle, die ihn suchen.

Gebet
HERR, du bist unsere Zuflucht in Zeiten der Not. Stärke unsere Hoffnung und zeige noch vielen Suchenden den Weg aus aller Not. Amen.

Zwischen Begeisterung und Besonnenheit

Wo nicht Besonnenheit ist, da geht es nicht gut.
Sprüche 19,2

Ich gebe zu, mit enthusiastischen Ausdrucksformen des Glaubens kann ich persönlich nicht viel anfangen. Wenn Musik erklingt, Menschen tanzen, jubeln oder ihre Hände heben, bleibe ich meist ruhig. Für mich ist das stille, kurze Gebet oft der Ort, an dem ich Gott begegne. Ich schlage die Bibel auf, ringe um Verständnis, suche Gottes Willen im Text und in der Stille. Paulus mahnt uns aber im Römerbrief, vorsichtig zu sein mit schnellen Urteilen. Die Gemeinde in Rom war damals genauso vielfältig wie wir heute: Menschen mit unterschiedlichen Frömmigkeitsstilen, unterschiedlichen Gewohnheiten, unterschiedlichen Temperamenten. Und Paulus sagt: Verachtet einander nicht. Richtet einander nicht. Nicht unser Stil verbindet uns, sondern Christus. Darum sollten wir uns davor hüten, die Charismatischen als „überdreht“ abzuwerten oder die Bibelorientierten als „trocken“.

Doch an dieser Stelle kommt mir eine Grundhaltung in den Sinn, die ich aus manchen charismatischen Predigten kenne: die Vorstellung, man müsse nur intensiv genug beten, nur stark genug glauben, nur enthusiastisch genug auftreten, dann wird Gott gewiss handeln, heilen und eingreifen. Das klingt so, als könne der Mensch durch seine religiöse Energie Gott bewegen. Hier, finde ich, muss Kritik erlaubt sein. Denn aus meinem Verständnis heraus ist es nicht der Mensch, der Gott zu etwas veranlasst. Wir können Gott nicht durch gesteigerte Bemühungen lenken oder durch emotionale Kraft zu einem bestimmten Handeln bringen. Gott bleibt frei, souverän, gnädig und sein Wirken ist niemals das Ergebnis menschlicher Leistung, sondern Ausdruck seiner Liebe.

Vielleicht kann man es so ausdrücken: Vielfalt im Ausdruck ist gut und wertvoll. Aber überall dort, wo Frömmigkeit in Leistungsdruck kippt, wo Menschen meinen, Gott müsse reagieren, wenn sie nur genug tun, dort sollten wir wachsam sein. Nicht um zu verurteilen, sondern um das Evangelium zu schützen: Gottes Gnade ist Geschenk, nicht Ergebnis unserer Anstrengung.

Gebet
HERR, lass uns in Christus verbunden bleiben, auch wenn wir unterschiedlich glauben, fühlen und feiern. Bewahre uns aber davor, unkritisch zu werden, wenn sich falsche Töne in die Frömmigkeit mischen. Amen.

Zwischen Auftrag und Vorwurf

„Darum geht hin und macht zu Jüngern alle Völker … und lehrt sie halten alles, was ich euch geboten habe.“
Matthäus 28,19–20

In einer Welt, die oft laut gegen den Glauben auftritt, stehen Christen heute zwischen zwei Spannungsfeldern: dem Missionsbefehl Jesu und dem Vorwurf des Fundamentalismus. Als Christ kann man heute erleben, dass man vielfach auf eine Abwehrhaltung trifft, d.h. auf Menschen, die sich ausdrücklich nicht auf Glaubensgespräche einlassen wollen und jede religiöse Deutung zurückweisen. Wie kann man darauf reagieren, ohne sich verbiegen zu müssen?

Ich denke, dass Christen nicht durch Druck überzeugen sollten, sondern durch ein Leben, bei dem das Evangelium sichtbar wird. Freundlichkeit, Demut, Menschlichkeit und Mitgefühl sind die stärksten Gegenargumente gegen den Vorwurf der Engstirnigkeit oder des Fanatismus. Ein Christ, der weltlichen Diskursen nicht aus dem Weg geht, dabei aber ruhig und dem Gegenüber respektvoll bleibt, entzieht den üblichen Klischees den Boden.

Jesus ermuntert uns mit den Worten: „So soll euer Licht leuchten vor den Menschen, damit sie eure guten Werke sehen und euren Vater, der in den Himmeln ist, verherrlichen.“ (Matth. 5,16) In dieser Haltung entsteht ein gangbarer Weg zwischen den Extremen: Nicht schweigen aus Angst vor dem Fundamentalismusvorwurf. Und nicht hektisch und laut werden aus Angst, den Missionsbefehl zu verpassen. Sondern: Christus ehren und auf ihn verweisen durch ein glaubwürdiges Leben, durch Wissen und durch Liebe. Ich allein kann es nicht schaffen, meine Mitmenschen zu überzeugen, und ich bin auch nicht für jeden Ausgang eines Gesprächs verantwortlich. Aber ich darf sicher sein, dass der Heilige Geist wirkt. So zeigen wir Christus, und nicht uns selbst. So lassen wir sein Licht leuchten.

Gebet
HERR Jesus Christus, führe uns zwischen Auftrag und Vorwurf hindurch auf Deinem Weg der Wahrheit und der Liebe. Amen