Andacht Heute

Endlich frei werden

Nachdem ihr nun aber Gott kennt und liebt – genauer gesagt, nachdem Gott euch kennt und liebt –, wie ist es da möglich, dass ihr euch diesen armseligen und kümmerlichen Zwängen wieder beugt und unterwerft?
Galater 4,9

Paulus meint mit diesen Zwängen eine Reihe von Gesetzlichkeiten, von denen er annahm, dass sie die Galater überwunden hätten. Das kann auch uns betreffen, wenn man von uns die Beachtung von Regeln und Vorschriften verlangt, um religiöse Leistungen zu vollbringen. Es können auch Selbstrettungssysteme sein, die wir uns zurechtgelegt haben wie die Kontrolle des persönlichen Heils durch eigene Leistungen. All dies ist nach Paulus „armselig und kümmerlich“. Es hat keine Kraft, weil es uns in alten, menschlichen Abhängigkeiten festhält. Man kann damit allenfalls Pfarrer und Gemeindeleiter beeindrucken, vor Gott gilt das alles nichts. Wir sollten doch endlich erkannt haben, dass es im Evangelium um Gnade statt um Leistung geht. Die Grundsätze der Welt knechten uns. Die Gnade macht uns frei.

Gebet
HERR Jesus Christus, bewahre uns davor, in alte Muster zurückzufallen. Befreie uns von religiöser Angst, von Selbstrechtfertigung, von dem Druck, uns beweisen zu müssen. Lass uns leben als Kinder: frei, geliebt und getragen. Amen.

An Israels Seite – nicht an seiner Stelle

Gott hat sein Volk nicht verstoßen, das er zuvor erwählt hat.
Römer 11,2

Am vergangenen Sonntag wurde in den evangelischen Kirchen der Israelsonntag begangen. Er ist heute zum Tag der Besinnung auf die jüdischen Wurzeln des Christentums geworden.

Paulus sagt im Römerbrief etwas Befreiendes und Korrigierendes: Gott hat sein Volk nicht verstoßen. Nicht damals, nicht heute, nicht irgendwann. Die Verstockung, von der Paulus spricht (Röm 11,25), ist kein Urteil über Israels Glauben, sondern ein geschichtlicher Zustand, durch den Gottes Weg mit den Völkern geöffnet wurde. Und wenn Paulus sagt: „Ganz Israel wird gerettet werden“ (Röm 11,26), dann meint er nicht eine spätere Massenbekehrung, sondern Gottes Treue, die nicht endet. Es ist nichts anderes als christliche Arroganz, wenn man annimmt, dass die Kirche Israel ersetzt hätte. Israel muss nicht bekehrt werden. Das Judentum ist keine „Vorstufe“ des Christentums. Wir Christen stehen nicht an Israels Stelle, sondern an Israels Seite – gerufen, Christus zu bezeugen, aber nicht, Israel zu ersetzen oder zu korrigieren.

Gebet
Gott Israels, du bleibst deinem Volk treu und öffnest deinen Bund für alle Menschen. Bewahre uns vor Hochmut und schenke uns ein Herz, das deine Wege achtet. Lass uns mit Israel gemeinsam vor dir stehen – in Demut, Dankbarkeit und Liebe. Amen.

Nach oben schauen statt nach innen verkrampfen

Und der HERR sprach zu Kain: Warum bist du so wütend, und warum senkt sich dein Angesicht? Ist es nicht so: Wenn du Gutes tust, so darfst du dein Haupt erheben? Wenn du aber nicht Gutes tust, so lauert die Sünde vor der Tür, und ihr Verlangen ist auf dich gerichtet; du aber sollst über sie herrschen!
1. Mose 4,6-7

    Ein Beispiel aus dem Arbeitsleben: Ich stelle mir vor, wie mein Kollege von einem Vorgesetzten gelobt wird. Obwohl ich mindestens ebenso viel Arbeit geleistet habe, wird das nicht anerkannt. Ähnliches erlebt Kain. Er bringt sein Opfer, doch Gott sieht nur Abel an. Für Kain ist das eine große Ungerechtigkeit, die ihn in die Verbitterung und schließlich zur Rache führt. Dabei hat Gott ihm einen Weg gewiesen, der ihn vor Sünde und Selbstzerstörung bewahrt hätte.

    Wenn wir uns in ähnlichen Situationen befinden, sollten wir daran denken, dass ein Leben ohne Ungerechtigkeiten nicht möglich ist. Unser Wunsch nach Gerechtigkeit ist oft nur verkleideter Egoismus. Wir sollten akzeptieren, wenn sich andere so entscheiden, wie sie es für richtig halten, auch wenn es nicht unseren Wünschen entspricht. Nicht jede Bevorzugung ist eine Abwertung. Nicht alles, was uns nicht passt, muss gleich zu einer Kränkung führen. Gott ruft uns nicht dazu auf, jede Ungerechtigkeit zu bekämpfen, sondern unseren Hang zur Verbitterung zu beherrschen. Ändern wir unsere Blickrichtung: Weg von der eigenen Verletzung und hin zu dem, was der Herr uns zeigt, damit wir nicht im Gefühl der Ungerechtigkeit stecken bleiben, sondern in seinem Willen Frieden finden.

    Gebet
    HERR, zeige uns den Weg aus Sünde und Verbitterung, wenn wir uns ungerecht behandelt fühlen. Schenke uns ein Herz, das nicht nach Vergeltung ruft, sondern nach deinem Frieden. Amen.