Andacht Heute

Gemeinde statt Klerikalismus

„Ihr aber sollt euch nicht Rabbi nennen lassen; denn einer ist euer Meister, ihr aber seid alle Brüder.“
Matthäus 23,8

Wenn Menschen Kirche erleben, sprechen sie oft zuerst über Gebäude, Traditionen, Feste, Ämter oder kirchliche Politik. Manchmal entsteht sogar der Eindruck, als würde sich alles um bestimmte Personen oder Institutionen drehen. Die Gemeinde wird dann zu einem Publikum, das zuschaut, während wenige handeln und viele konsumieren. Doch Jesus hat keine Zuschauer berufen, sondern Nachfolger. Die Apostel haben keine religiöse Elite aufgebaut, sondern Gemeinden gegründet. Paulus beschreibt die Kirche nicht als Bühne, sondern als Leib. Jeder Gläubige hat eine Gabe, jeder einen Auftrag, jeder gehört dazu.

Klerikalismus entsteht dort, wo geistliche Leiter mehr Bedeutung erhalten, als ihnen zusteht. Dann werden Menschen und Ämter wichtiger als Christus und die Bewahrung von Strukturen wichtiger wird als die Weitergabe des Evangeliums. Natürlich braucht die Gemeinde Leitung. Das Neue Testament kennt Hirten, Älteste und Diener. Ihre Aufgabe besteht darin, die Gemeinde zu Christus hinzuführen. Wo er im Mittelpunkt steht, verliert der Personenkult seine Macht. Wo die Bibel ernst genommen wird, tritt die Selbstdarstellung in den Hintergrund. Wo die Gemeinde ihre Berufung entdeckt, werden aus Zuschauern Mitarbeiter im Reich Gottes.

Bei all unserem Tun in Kirchen und Gemeinden sollten wir auch mal innehalten und uns fragen: Reden wir mehr über Menschen und Institutionen als über Christus? Investieren wir mehr Kraft in Veranstaltungen als in geistliches Wachstum? Erzeugen wir Lärm um das Drumherum, während die eigentlichen Inhalte verblassen?

Die Kirche lebt nicht von ihrer Tradition, ihrer Organisation oder ihren Würdenträgern. Sie lebt von Jesus Christus. Er allein ist das Haupt der Gemeinde.

Gebet
HERR Jesus Christus, lass uns nicht im Äußeren aufgehen, sondern im Glauben wachsen. Erinnere uns daran, dass Du das Haupt Deiner Gemeinde bist und wir alle berufen sind, Dir zu dienen. Amen.

Nur noch Liebe ohne Gebote?

„Denn dies ist die Liebe zu Gott, dass wir seine Gebote halten; und seine Gebote sind nicht schwer.“
1. Johannes 5,3

Dass Christen im Neuen Bund leben, ist klassischer christlicher Glaube. Das Neue Testament spricht an mehreren Stellen davon (Jeremia 31; Lukas 22,20; Hebräer 8). Niemand muss unter dem mosaischen Gesetz gerettet werden, denn gerettet werden wir allein durch Christus. Soweit, so gut. In charismatischen Kreisen erleben wir jedoch oft eine radikale Betonung des Neuen Bundes. Daraus wird gefolgert: Das Alte Testament habe für Christen kaum noch Bedeutung. Sünde solle möglichst nicht mehr thematisiert werden. Buße wird als „gesetzlich” verstanden. Gebote würden als Gegensatz zur Gnade betrachtet. Gleichzeitig taucht der Begriff „Liebe“ beinahe inflationär auf. Doch wenn Liebe nicht näher bestimmt wird, besteht die Gefahr, dass jeder etwas anderes darunter versteht. Die Bibel hingegen beschreibt Liebe nicht nur als Gefühl, sondern auch als gelebten Gehorsam gegenüber Gott.

Der Vers aus dem 1. Johannesbrief verbindet genau das, was oft gegeneinander ausgespielt wird: Liebe und Gebot. Johannes stellt sie nicht als Gegensätze dar, sondern als Einheit. Das Neue Testament ersetzt also nicht die Heiligung durch Liebe, sondern verbindet beides. Liebe wird konkret in Gehorsam gegenüber Christus. Die reformatorische und auch große Teile der freikirchlichen Theologie sagen zugleich:

  • Das Alte Testament bleibt Gottes Wort.
  • Die Zehn Gebote offenbaren weiterhin Gottes Charakter.
  • Erlösung geschieht aus Gnade.
  • Gehorsam ist Frucht der Erlösung, nicht deren Voraussetzung.

Wer nur von Liebe spricht und die Frage nach der Sünde ausblendet, verkürzt das Evangelium. Wer nur von Geboten spricht und die Liebe Gottes vergisst, verkürzt es ebenso. Die Wahrheit des Evangeliums lautet: Gott liebt uns so sehr, dass er uns annimmt, wie wir sind. Aber er liebt uns auch zu sehr, um uns so zu lassen, wie wir sind. Darum wollen wir die ganze Schrift ernst nehmen. Wir wollen das Alte Testament nicht gegen das Neue ausspielen. Wir wollen weder die Gebote über die Gnade stellen noch die Gnade gegen die Gebote ausspielen.

Gebet
HERR Jesus Christus, hilf uns, die ganze Heilige Schrift zu ehren und nicht das auszuwählen, was unseren Vorstellungen entspricht. Zeige uns unsere Sünde, aber lass uns dabei nie die Größe deiner Vergebung vergessen. Amen.

Wenn Zweifel an der Auferstehung aufkommen

„Ist Christus aber nicht auferweckt worden, so ist unsere Verkündigung vergeblich, vergeblich auch euer Glaube.“
1. Korinther 15,14

    Der Journalist Peter Hahne, der von 1992 bis 2009 dem Rat der EKD angehörte, kritisiert seit Jahren, dass Teile der Amtskirche und moderne Theologen das Evangelium verwässern. Besonders entschieden widerspricht er Deutungen, die die Auferstehung Jesu lediglich als Sinnbild, innere Erfahrung oder psychologische Vision der Jünger verstehen. Für ihn steht damit nicht eine Randfrage zur Diskussion, sondern das Herzstück des christlichen Glaubens. Dabei beruft er sich häufig auf die obigen Worte des Apostels Paulus. Als diese Zeilen geschrieben wurden, waren seit Kreuzigung und Auferstehung nur etwa zwei Jahrzehnte vergangen. Viele Augenzeugen lebten noch. Paulus verweist ausdrücklich auf Menschen, die den Auferstandenen gesehen hatten und befragt werden konnten. Der christliche Glaube gründet deshalb nicht auf einer Idee oder einem schönen Gefühl, sondern auf dem Zeugnis von Gottes Handeln in der Geschichte.

    Auch die Kirchenväter, die uns in den vergangenen Andachten beschäftigt haben, hielten daran fest. Sie bekannten Jesus nicht nur als Lehrer oder Propheten, sondern als Gott und Herrn. Athanasius argumentierte: Wenn Christus nicht wirklich Gott ist, kann er die Menschheit nicht wirklich mit Gott versöhnen. Nur Gott selbst kann retten. Wäre Jesus lediglich ein Geschöpf, bliebe die Kluft zwischen Gott und Mensch letztlich unüberwindbar. Dasselbe gilt für die Auferstehung. Wenn Christus nicht leiblich auferstanden ist, dann hat der Tod letztlich doch das letzte Wort. Dann bleibt das Evangelium eine schöne Hoffnung, aber keine rettende Wirklichkeit. Wenn Christus jedoch wahrhaft auferstanden ist, dann ist die Macht der Sünde gebrochen, der Tod besiegt und der Weg zu Gott geöffnet. Darum ist die Auferstehung nicht ein nebensächlicher Glaubenssatz. Sie ist das Fundament, auf dem alles steht.

    Gebet
    HERR Jesus Christus, stärke unseren Glauben, wenn Zweifel laut werden und vieles in Frage gestellt wird. Bewahre uns davor, die Botschaft des Evangeliums an den Zeitgeist anzupassen. Amen.