Hier und jetzt
„Siehe, jetzt ist die angenehme Zeit, siehe, jetzt ist der Tag des Heils.“
2. Korinther 6,2
Wir Menschen leben oft anderswo. Unsere Gedanken wandern zurück zu Versäumnissen der Vergangenheit oder voraus zu den Sorgen und Hoffnungen von morgen. Das Heute erscheint uns manchmal nur wie eine Brücke zwischen gestern und morgen. Dabei ist das Leben immer nur an einem Ort wirklich erreichbar: hier und jetzt. Die alten Römer kannten dafür den Ausdruck hic et nunc. Was philosophisch klingt, hat auch eine geistliche Tiefe. Denn Gottes Wirken begegnet uns meist nicht in einer erträumten Zukunft und nicht in einer verklärten Vergangenheit. Es begegnet uns im gegenwärtigen Augenblick. Die Jünger waren beim Netzeflicken, als Jesus sie ansprach. Zachäus saß auf seinem Baum, als Christus bei ihm einkehrte. Immer wieder geschieht Gottes Handeln mitten im Alltag. Darum erinnert Paulus: „Jetzt ist die angenehme Zeit.“ Nicht morgen, wenn alles geordnet ist. Nicht irgendwann, wenn wir reifer, stärker oder gläubiger geworden sind, sondern jetzt.
Beim Glauben geht es nicht vor allem um große, epochale Veränderungen. Er wächst dort, wo Menschen im Hier und Jetzt auf Gottes Gegenwart achten. Gott ist kein fernes Ziel, das wir eines Tages erreichen. Er ist der Gegenwärtige. Wer nach seinen Spuren sucht, muss nicht zuerst das Außergewöhnliche erwarten. Oft beginnt die Aufmerksamkeit für Gott im Hier und Jetzt. Wer nur auf morgen wartet, könnte das Geschenk des heutigen Tages übersehen. Gott ist schon da. Die Frage ist nur, ob auch wir für ihn bereit sind.
Gebet
HERR, so oft bin ich mit meinen Gedanken unterwegs zwischen gestern und morgen. Ich hänge an dem, was gewesen ist, oder sorge mich um das, was kommen wird. Öffne mir die Augen für deine Gegenwart im Heute. Amen.