Andacht Heute

An Israels Seite – nicht an seiner Stelle

Gott hat sein Volk nicht verstoßen, das er zuvor erwählt hat.
Römer 11,2

Am vergangenen Sonntag wurde in den evangelischen Kirchen der Israelsonntag begangen. Er ist heute zum Tag der Besinnung auf die jüdischen Wurzeln des Christentums geworden.

Paulus sagt im Römerbrief etwas Befreiendes und Korrigierendes: Gott hat sein Volk nicht verstoßen. Nicht damals, nicht heute, nicht irgendwann. Die Verstockung, von der Paulus spricht (Röm 11,25), ist kein Urteil über Israels Glauben, sondern ein geschichtlicher Zustand, durch den Gottes Weg mit den Völkern geöffnet wurde. Und wenn Paulus sagt: „Ganz Israel wird gerettet werden“ (Röm 11,26), dann meint er nicht eine spätere Massenbekehrung, sondern Gottes Treue, die nicht endet. Es ist nichts anderes als christliche Arroganz, wenn man annimmt, dass die Kirche Israel ersetzt hätte. Israel muss nicht bekehrt werden. Das Judentum ist keine „Vorstufe“ des Christentums. Wir Christen stehen nicht an Israels Stelle, sondern an Israels Seite – gerufen, Christus zu bezeugen, aber nicht, Israel zu ersetzen oder zu korrigieren.

Gebet
Gott Israels, du bleibst deinem Volk treu und öffnest deinen Bund für alle Menschen. Bewahre uns vor Hochmut und schenke uns ein Herz, das deine Wege achtet. Lass uns mit Israel gemeinsam vor dir stehen – in Demut, Dankbarkeit und Liebe. Amen.

Nach oben schauen statt nach innen verkrampfen

Und der HERR sprach zu Kain: Warum bist du so wütend, und warum senkt sich dein Angesicht? Ist es nicht so: Wenn du Gutes tust, so darfst du dein Haupt erheben? Wenn du aber nicht Gutes tust, so lauert die Sünde vor der Tür, und ihr Verlangen ist auf dich gerichtet; du aber sollst über sie herrschen!
1. Mose 4,6-7

    Ein Beispiel aus dem Arbeitsleben: Ich stelle mir vor, wie mein Kollege von einem Vorgesetzten gelobt wird. Obwohl ich mindestens ebenso viel Arbeit geleistet habe, wird das nicht anerkannt. Ähnliches erlebt Kain. Er bringt sein Opfer, doch Gott sieht nur Abel an. Für Kain ist das eine große Ungerechtigkeit, die ihn in die Verbitterung und schließlich zur Rache führt. Dabei hat Gott ihm einen Weg gewiesen, der ihn vor Sünde und Selbstzerstörung bewahrt hätte.

    Wenn wir uns in ähnlichen Situationen befinden, sollten wir daran denken, dass ein Leben ohne Ungerechtigkeiten nicht möglich ist. Unser Wunsch nach Gerechtigkeit ist oft nur verkleideter Egoismus. Wir sollten akzeptieren, wenn sich andere so entscheiden, wie sie es für richtig halten, auch wenn es nicht unseren Wünschen entspricht. Nicht jede Bevorzugung ist eine Abwertung. Nicht alles, was uns nicht passt, muss gleich zu einer Kränkung führen. Gott ruft uns nicht dazu auf, jede Ungerechtigkeit zu bekämpfen, sondern unseren Hang zur Verbitterung zu beherrschen. Ändern wir unsere Blickrichtung: Weg von der eigenen Verletzung und hin zu dem, was der Herr uns zeigt, damit wir nicht im Gefühl der Ungerechtigkeit stecken bleiben, sondern in seinem Willen Frieden finden.

    Gebet
    HERR, zeige uns den Weg aus Sünde und Verbitterung, wenn wir uns ungerecht behandelt fühlen. Schenke uns ein Herz, das nicht nach Vergeltung ruft, sondern nach deinem Frieden. Amen.

    Der vorübergehende Vorteil der Lüge

    Die Wahrheit besteht, die Lüge nicht.
    Sprüche 12,19

    Da gibt es den Fall eines schwarzen Ex-Professors, der es mittels Plagiaten und einem erfundenen Lebenslauf geschafft hat, an einer angesehenen, britischen Universität Karriere zu machen. Eine Lüge kann also erstaunlich gut funktionieren. Sie kann Türen öffnen. Sie kann sogar Karriere ermöglichen. Man kann mit ihr schneller vorankommen. Die Lüge lebt davon, dass niemand genauer hinschaut. Und manchmal funktioniert das erstaunlich gut. Eine beeindruckende Fassade, ein glänzender Aufstieg, und doch ist alles auf Sand gebaut.

    Irgendwann kommt dann meist der Punkt, an dem die Lüge nicht mehr trägt. Man kann nicht ewig auf einer erfundenen Geschichte stehen. Man kann nicht dauerhaft von einer Fassade leben. Die Wahrheit kommt ans Licht. Der junge Mann musste seinen Professortitel ablegen. Er hat mit seinen Lügen jegliches Vertrauen in seine Person für immer zerstört.

    Gebet
    HERR, du kennst unsere Versuchung zur Lüge. Du weißt, wie leicht wir uns selbst etwas vormachen und wie schnell wir uns in Geschichten verlieren, die nicht tragen. Schenke uns den Mut zur Wahrheit. Sie ist es, die uns heilt und befreit. Amen.