Himmel und Erde verbinden
Gott hat alles schön gemacht zu seiner Zeit; auch hat er die Ewigkeit in des Menschen Herz gelegt.
Prediger 3,11
Joseph von Eichendorff sah im Glauben eine „positive Religion“, wie er es nannte – eine Haltung, die das Sinnliche und Sichtbare nicht gering schätzt, sondern als Weg versteht, der den Menschen erhebt und Himmel und Erde verbindet. Für ihn war die Welt voller Zeichen Gottes. Darum wandte er sich gegen eine verabsolutierte Vernunft, die nur fragt, was nützt und funktioniert. Sein Spott über die preußische Verwaltung – ein Wasserfall sei überflüssig, wenn er kein Mühlrad antreibe – zeigt, wie sehr er eine Welt fürchtete, die das Staunen verliert. Nicht die Vernunft selbst kritisierte er, sondern eine Vernunft ohne Herz, ohne Gefühl, ohne geistigen Tiefgang. Für Eichendorff war die romantische Poesie deshalb eine vermittelnde Kunst der Theologie: Sie öffnet Räume, in denen der Mensch wieder spürt, dass Gott in dieser Welt gegenwärtig ist.
Nehmen wir es heute in Anlehnung an Eichendorff als unsere Aufgabe, die Welt nicht nur zu nutzen, sondern auch zu deuten. Bei aller Wissbegierde, wie etwas funktioniert, sollten wir das Staunen nicht verlernen, um in der Natur die vielen Zeichen Gottes wahrzunehmen.
Gebet
HERR, öffne unsere Augen für die Schönheit deiner Welt. Lass uns deine Nähe spüren in allem, was uns begegnet. Amen.