Andacht Heute

Das Missverständnis der Kleinkindtaufe

Denn wir alle sind mit demselben Geist getauft worden und gehören dadurch zu dem einen Leib von Christus, ganz gleich ob wir nun Juden oder Griechen, Sklaven oder Freie sind; alle sind wir mit demselben Geist erfüllt worden.
1. Korinther 12,13

    Ist hier von der Wassertaufe die Rede, wie man meinen könnte? Mit Sicherheit nicht. Paulus spricht hier eindeutig von einem geistlichen Vorgang und nicht von einem Ritual. Die Geistestaufe ist ein souveränes Handeln Gottes, kein menschlicher Vollzug. Sie findet bei der Wiedergeburt statt, wenn ein Mensch Christus voll und ganz vertraut und der Heilige Geist in ihn einzieht. Er gehört dann zu dem Leib Christi, zu dem, was Gott tut. Die Wassertaufe ist dagegen ein sichtbares Zeichen, ein Bekenntnis, ein äußeres Symbol und ein ritueller Akt. Sie ist die Antwort des Glaubenden auf Gottes Handeln und somit ein Zeugnis, jedoch nicht die Ursache der Wiedergeburt.

    In der Kirchengeschichte entstand das große Missverständnis, dass der Mensch durch die Wassertaufe von der Erbsünde befreit werden könne. Dies führte zur frühestmöglichen Taufe, da in ungetauften Kindern die Gefahr des Heilsverlustes gesehen wurde. Es fand eine Sakramentalisierung statt: Die Wassertaufe wurde als heilswirksam angesehen. Sie wurde zu einem magischen Schutzritual. Im Zuge dessen wurde die Geistestaufe in die Wassertaufe „eingebaut” und verschwand als eigenständiger Gedanke. Leider scheint die Geistestaufe auch heute in vielen Kirchen nicht mehr nötig zu sein. Da wird gelehrt, dass mit der Kindertaufe alles in Ordnung sei. Eine bewusste Bekehrung oder eine Wiedergeburtserfahrung seien demnach nicht mehr nötig. Das ist allerdings vollkommen unbiblisch. Im Neuen Testament steht eindeutig: 1. Glaube, 2. Empfang des Heiligen Geistes (Wiedergeburt/Geistestaufe), 3. Wassertaufe als Bekenntnis.

    Trost für alle Nichtbeachteten

    Zachäus wollte Jesus unbedingt sehen; aber er war sehr klein, und die Menschenmenge machte ihm keinen Platz. Da rannte er ein Stück voraus und kletterte auf einen Maulbeerfeigenbaum, der am Weg stand. Von hier aus hoffte er, einen Blick auf Jesus werfen zu können. Als Jesus dort vorbeikam, schaute er hinauf und rief: »Zachäus, komm schnell herunter! Ich soll heute dein Gast sein!«
    Lukas 19,3-5

    Wir haben vor einigen Tagen einen Band erhalten, der von der Schwester des vor einigen Jahren verstorbenen Lyrikers in bayrischer Sprache Reinhard Hauswirth mit Gedichten aus seinem Nachlass herausgegeben wurde. Wir lesen darin mit großer Freude, zugleich auch mit Bedauern, dass ihm zu Lebzeiten nicht die ihm gebührende Aufmerksamkeit zuteil geworden ist. Er war ein großer Sprachkünstler, der die Möglichkeiten des Bayrischen in schalkhafter Weise eindrucksvoll ausgereizt hat. In einem seiner Gedichte heißt es im Refrain:
    I schreib fia mi mei eingne Wäid,
    Schreib ned fia d Leid, schreib ned fia s Gäid!
    Wann i äbbs schreib, buidd i mia ei,
    I daad a gloana Heagodd sei!

    Spätestens bei diesen Zeilen erkennt man, dass es diesem begabten Menschen nicht um die Anerkennung der Leute ging. In all seiner Genügsamkeit fühlte er sich dabei wohl, wenn er für sich und seinen Bekanntenkreis schreiben konnte.

    In der Geschichte des Zachäus sehen wir ein ähnliches Muster. Er war klein, wurde übersehen, stand am Rande. Als Jesus nach Jericho kam, musste er auf einen Baum klettern, weil niemand ihn durchließ. Aber in der großen Menschenmenge sieht ihn Jesus als Einzigen an. Was ist das doch für eine hoffnungsvolle Geschichte für alle, die von anderen nicht beachtet werden, weil sie aus irgendwelchen Gründen nicht im Rampenlicht stehen können oder wollen. Es kommt nicht auf den Beifall der Massen an. Wir dürfen aber sicher sein: Wer sich Jesus zuwendet, wird von IHM auch gesehen.

    Gottes Wirken im Hintergrund

    „Im vorliegenden Fall rate ich deshalb: Lasst diese Leute in Ruhe! Lasst sie gehen! Denn wenn das, was sie wollen, und das, was sie tun, von Menschen kommt, wird es scheitern. Wenn es aber von Gott kommt, werdet ihr es nicht zerstören können. Vielleicht steht ihr dann sogar als solche da, die gegen Gott kämpfen.“ Das überzeugte sie.
    Apostelgeschichte 5,38-39

    Die Apostel wurden vor den Hohen Rat geführt. Sie sollten getötet werden, doch der Pharisäer Gamaliel warnte: „Wenn ihr Werk menschlich ist, wird es untergehen. Wenn es aber von Gott ist, kann man es nicht aufhalten.“ Dank Gamaliels Rat wurden die Apostel nicht getötet, sondern „nur“ ausgepeitscht und freigelassen. So konnten sie ihre Werk der Verkündigung fortsetzen.

    In dieser Geschichte sehen wir, dass sich Gottes Wirken nicht verhindern lässt. Seine inspirierten, guten und heilsamen Ideen werden immer einen Weg finden, auch wenn es Widerstände gibt. Manchmal öffnet sich wieder eine Tür oder es findet sich ein Fürsprecher, mit dem man nicht gerechnet hat. Man sieht also, dass immer Hoffnung besteht, auch wenn es nicht immer die Lösung ist, die wir erwarten. Die Apostel hatten sich kompromisslos für Gott eingesetzt. Dadurch erlebten sie ein Maximum an Widerstand: Gefängnis, Bedrohung mit dem Tod und schließlich Auspeitschung. Der Konflikt verschwand nicht sofort, aber Gott wirkte in ihn hinein und ließ alles gut ausgehen. Wenn wir uns für Gott einsetzen, dürfen wir darauf vertrauen, dass er im Hintergrund mitwirkt.