Andacht Heute

Der Abschied Jesu

Doch glaubt mir: Es ist gut für euch, dass ich weggehe. Denn wenn ich nicht von euch wegginge, käme der Helfer nicht zu euch; wenn ich aber gehe, werde ich ihn zu euch senden.
Johannes 16,7

Für die Jünger muss es ein Schock gewesen sein. Jesus war noch in ihrer Mitte, da sagte er, es wäre gut für sie, wenn er wegginge. Wie konnte das gut für sie sein, wo sie doch so gerne in seiner Nähe waren, seine Stimme hörten und den Weg gemeinsam mit ihm gehen konnten?

Um den Sinn dieses Abschieds zu erkennen, muss man keine geistige Hochakrobatik bemühen. Seine leibliche Gegenwart war nun einmal begrenzt. Er konnte nicht für alle Zeiten als Mensch gegenwärtig sein. Seine geistliche Gegenwart ist dagegen grenzenlos, weil er so zu allen kommt. Für die Jünger eröffnete sich dadurch ein Raum für ihre Reifung. Aus „Jesus macht alles“ wurde „Christus lebt in uns“. So wurden sie mithilfe des Heiligen Geistes zu mutigen Zeugen. Dieser machte die Gegenwart Jesu universell. Leiblich hätte er nur an einem Ort wirken können, doch durch den Helfer, den er schickte, konnte er überall zugegen sein. Wir sehen: Was nun folgte, war keine Ersatzlösung im Sinne eines Plan B – Jesus geht, dafür schickt er einen Helfer –, sondern die Vollendung des ganzen Auftrags. Seitdem ist der Heilige Geist bei uns und damit Gottes Gegenwart in uns. Seine Stimme ist da und seine Kraft hilft uns in unserer Schwäche im Alltag.

Gebet
Herr Jesus, du bist gegangen, damit wir dir näher kommen können. Sende deinen Geist in unsere Herzen. Mach uns zu Menschen, die aus deiner Kraft leben und deine Gegenwart in die Welt tragen.

Echte Freiheit

Wenn euch nun der Sohn frei macht, so seid ihr wirklich frei.
Johannes 8,36

Es gibt Worte Jesu, die uns sofort aufatmen lassen. Und es gibt Worte, die wir falsch verstehen können. Das Wort von der „Befreiung von der Macht der Sünde“ gehört zu beiden Kategorien. Es könnte nämlich auch so bei uns ankommen: „Jetzt musst du aber frei leben.“ Oder: „Jetzt musst du zeigen, dass du ein richtiger Christ bist.“ In dieser moralisierenden Form bauen wir uns aus der Befreiung einen neuen Druck auf. Das Wort von der Befreiung wird moralistisch, wenn wir es als Auftrag statt als Geschenk hören. Doch Jesus meint etwas völlig anderes. Er spricht nicht von einer Freiheit, die wir uns erarbeiten, sondern von einer Freiheit, die wir empfangen. Der Moralist sagt: „Du wirst frei, indem du dich anstrengst.“ Das Evangelium sagt: „Du bist frei, weil Christus dich trägt.“ Und diese Freiheit zeigt sich nicht in neuen Regeln und in Selbstverbesserung, sondern in der Nähe Gottes. So kommen wir aus dem Dunkeln ins Licht, und wir werden beschenkt mit Klarheit, Wahrheit und Orientierung.

Gebet
Herr Jesus, du siehst, wo ich noch gefangen bin in alten Mustern und dem Drang, mich selbst retten zu wollen. Lass mich im Licht leben, in deiner Nähe. Mach mich frei – wirklich frei.

Mehr als unsere Bilanzen

Ich bin überzeugt, dass der, der etwas so Gutes in eurem Leben angefangen hat, dieses Werk auch weiterführen und bis zu jenem großen Tag zum Abschluss bringen wird, an dem Jesus Christus wiederkommt.
Philipper 1,6

Gerade im Alter kommen die Erinnerungen. Neben schönen Momenten können auch Gedanken wie „Ich hätte mehr erreichen können“ aufkommen. Oder: „Ich habe Chancen nicht genutzt.“ Schnell geraten wir in die Falle der negativen Bilanzbuchhaltung, wenn wir meinen, viele Möglichkeiten verpasst zu haben und dass andere in ihrem Leben mehr geschafft haben. Als Christ könnte man denken: „Christus vergibt meine Sünden, aber was ist mit all dem, was ich nicht erreicht habe?”

Die Bibel ist da klar und eindeutig: Christus trägt alles, nicht nur unsere Schuld und Sünden. Er trägt auch alles, was uns von Gott trennt, eben auch das Unvollendete, das Versäumte, das Ungelebte. Ein Mensch kann sein Leben negativ bilanzieren. Gott aber sieht das Ganze – und das Ganze ist größer als die Summe der verpassten Chancen. Wie oft hat er uns auf Umwegen beigestanden, Brüche in etwas Tragendes verwandelt und sogar unser Versagen genutzt, um Neues zu schaffen! Das ist vielleicht unser tiefster Trost, wenn wir auf unser Leben schauen und denken, dass wir nicht genug erreicht haben. Die Vollendung liegt nicht in unserer Hand. Wir dürfen unvollendet bleiben, denn Gott vollendet alles.