Andacht Heute

Das leise Lob

Lobet den HERRN! Denn unseren Gott loben, das ist ein köstlich Ding.
Psalm 147,1

Es gibt Formen des Lobpreises, die sofort ins Ohr gehen: süße Lieder, die von vielen Wiederholungen getragen sind. Viele Menschen finden in dieser Weise einen Zugang, der stark von Gefühlen begleitet ist. Um nicht missverstanden zu werden: Ich möchte niemandem sein Lob nehmen. Mir selbst ist jedoch ein anderes Lob wertvoll geworden – ein Lob, das nicht auf Stimmung, sondern auf Gottes Wort setzt.

Die Bibel kennt dieses stille Lob. Habakuk sagt: „Ich will mich freuen des Herrn“, obwohl er keine Ernte sieht. Paulus und Silas sangen im Gefängnis. Die Psalmen loben mitten in der Klage. Dieses Lob ist kein Gefühlsschub, sondern Ausdruck des Vertrauens auf Gott. Es ist kein Entertainment, sondern Halt.

Ich entdecke dieses Lob besonders in den alten Liedern. Paul Gerhardt etwa führt mich nicht in Ergriffenheit, sondern in die Tiefe. Seine Worte tragen, weil sie aus der Schrift geboren sind und nicht aus dem Moment. Sie sind nicht laut, aber wahr. Nicht süß, aber nahrhaft. Vielleicht ist es Zeit, wieder öfter ein altes Lied aufzuschlagen. Vielleicht ist es Zeit, wieder zu entdecken, wie viel Trost in einer einzigen Strophe steckt.

Gebet:
Herr, lehre uns das Lob, das aus deinem Wort wächst. Mach unsere Herzen ruhig vor dir. Lass die alten Lieder neu in uns klingen und unser Vertrauen stärken. Amen.

Beheimatet sein im Wort

Du kennst ja die, die dich gelehrt haben, und bist von Kind auf mit den heiligen Schriften vertraut, aus denen du alle Wegweisung bekommen kannst, die zur Rettung nötig ist – zur Rettung durch den Glauben an Jesus Christus.
2. Timotheus 3,14-15

    Paulus weist den jungen Timotheus auf dessen Verwurzelung in der Heiligen Schrift hin. Sie ist ihm nicht fremd, weil er sie seit seiner Kindheit kennt. Für ihn ist sie kein Nachschlagewerk, das er gelegentlich zur Hand nimmt, sondern ein Raum, in dem er sich auskennt wie in seinem Elternhaus. Aus dieser Vertrautheit ist ein Glaube erwachsen, der sein Denken, Fühlen und Entscheiden prägt. Die Schrift gibt ihm Richtung, besonders in schwierigen Situationen. Paulus schreibt diese Worte, als Timotheus sich in Anfechtungen befindet. Er verweist ihn darauf, dass er nur im Wort Gottes Halt und Geborgenheit finden kann.

    Mehr braucht Timotheus nicht für seinen Dienst. Mehr brauchen auch wir nicht. Wir haben heute eine Fülle von Möglichkeiten, die Timotheus nicht hatte. Timotheus kannte die heiligen Schriften „von Kind auf“ durch mündliche Weitergabe und handgeschriebene Rollen. Wir dagegen leben in einer Zeit, in der die Bibel in vielen Formen zugänglich ist, darunter viele digitale. Bibellesen ist heute mobil, vernetzt und jederzeit möglich. Man kann mit dem Smartphone im Zugabteil oder im Wartezimmer des Zahnarztes lesen. Es gibt Online-Gesprächsgruppen, in denen man sich mit Menschen über die Bibel unterhalten kann, denen man sonst nie begegnen würde. Wenn wir Probleme mit bestimmten Versen haben, können wir auf Kommentare zurückgreifen, die uns den Zugang erleichtern. Der Hauptvorteil gegenüber Timotheus liegt jedoch darin, dass er nur das Alte Testament kannte. Wir hingegen lesen die Schrift nach Christus mit dem Wissen um seine Auferstehung und die Entstehung des Neuen Testaments. Die Evangelien zeigen uns Christus, die Briefe deuten uns den Glauben und die Offenbarung schenkt uns Hoffnung für die Zukunft.

    Wenn Paulus heute lebte, was würde er uns raten? Vielleicht dies: „Lass die Schrift dein Maßstab sein, nicht der tägliche Lärm der Nachrichten, Social Media, Meinungen und Empörungen. Prüfe alles an Christus, nicht an Trends oder Stimmungen. Nutze alle Hilfen, aber verliere dabei nicht die Schlichtheit des Hörens auf das Wort. Lass dein Bibellesen im Umgang mit deinen Mitmenschen Frucht tragen. Beachte, dass alles Lesen, Studieren und Diskutieren das Ziel haben soll: Christus zu erkennen und ihm nachzufolgen.“

    Ablenkung durch Nebensächlichkeiten

    Es soll euch zuerst um Gottes Reich und Gottes Gerechtigkeit gehen, dann wird euch das Übrige alles dazugegeben.
    Matthäus 6,33

    In BILD Online geht es heute unter anderem um das Luxusleben von Prinz Andrew, den derzeit hohen Benzinpreis, die Vergabe der Oscars in diesem Jahr und zweifelhafte Schiedsrichterentscheidungen beim Bundesligaspiel Leverkusen gegen Bayern München. Angelus Silesius (1624–1677) formulierte den noch heute bekannten Satz: „Mensch, werde wesentlich!” Damit meinte er, dass alles Äußerliche, Zufällige und Lautstarke vergehen wird, nur das Wesentliche, das von Gott kommende, wird bleiben. Sein Ruf ist eine Antwort auf eine Welt, die die Menschen ins Seichte, Oberflächliche, in die Zerstreuung ziehen will. Wir verlieren uns allzu leicht in Dingen, die laut, aber nicht wichtig sind.

    Jesus lädt uns in seinem Matthäus-Evangelium ein, unsere Aufmerksamkeit neu zu ordnen: Zuerst auf das, was trägt. Wer das Wesentliche sucht, wird frei von der Tyrannei des Unwesentlichen. Konzentrieren wir uns auf das Reich Gottes und nicht auf Schlagzeilen. Man muss sich nicht völlig von Pressemeldungen über Politik und Gesellschaft abschotten. Wir sollten uns nur nicht von ihnen das Zentrum unseres Denkens besetzen lassen. Wenn wir dagegen das Wesentliche suchen, macht uns das freier und reicher, denn Jesus sagt: „Dann wird euch das Übrige alles dazugegeben.“