Andacht Heute

Der Weg aus der heutigen Blindheit

Geh hin; dein Glaube hat dich gerettet! Und sogleich wurde er sehend und folgte Jesus nach auf dem Weg.
Markus 10,52

Der blinde Bettler Bartimäus erkennt in Jesus den Messias und ruft beharrlich um Erbarmen. Durch seinen Glauben wird er sehend und zum Jünger. Diese Geschichte scheint einfach, enthält beim näheren Hinsehen aber Auffälliges. Zweifellos geht es in ihr nicht nur um eine körperliche Heilung. Die Blindheit, unter der Bartimäus leidet, kann auch als geistige Orientierungslosigkeit gesehen werden. Da wird das Ganze wieder hochmodern. So viele Menschen spüren heute, dass „etwas nicht stimmt”. Sie befinden sich in einer Flut von Informationen. Unzählige Meinungen und Deutungen stiften Verwirrung. Grundüberzeugungen und moralische Werte sind verloren gegangen. Wenn wir den Medien folgen, befinden wir uns ständig in einem Alarmmodus, in dem Empörung, Gefühle und Lautstärke dominieren. Viele Menschen überfordern sich mit einem Perfektionswahn und der ständigen Sorge, nicht zu genügen. Obwohl der Grad der Vernetzung heute sehr hoch ist, ist ein Zerfall von Beziehungen und Zugehörigkeiten festzustellen.

Sehen wir uns Bartimäus an: Im Gegensatz zur Menschenmenge, die ihn beschwichtigen will, reagiert er auf seine Not. Er erkennt seine Blindheit – etwas, das heute vielen Menschen schwerfällt. Er ruft nach Erbarmen, während heute viele versuchen, alles allein zu schaffen. Er lässt seinen Mantel los, der ihm als Bettler ein wenig Sicherheit verschafft, während wir uns an Sicherheiten klammern. Und am Ende seines Leidens an der Orientierungslosigkeit folgt er Jesus nach – etwas, das in dieser Welt für die meisten Menschen nicht in Betracht käme.

Gebet:
HERR, du siehst unsere Blindheit und wie wir nach Halt suchen. Erbarme dich über uns. Mach uns sehend und führe uns auf deinen Weg, damit wir dir folgen. Amen

Das Missverständnis der Kleinkindtaufe

Denn wir alle sind mit demselben Geist getauft worden und gehören dadurch zu dem einen Leib von Christus, ganz gleich ob wir nun Juden oder Griechen, Sklaven oder Freie sind; alle sind wir mit demselben Geist erfüllt worden.
1. Korinther 12,13

    Ist hier von der Wassertaufe die Rede, wie man meinen könnte? Mit Sicherheit nicht. Paulus spricht hier eindeutig von einem geistlichen Vorgang und nicht von einem Ritual. Die Geistestaufe ist ein souveränes Handeln Gottes, kein menschlicher Vollzug. Sie findet bei der Wiedergeburt statt, wenn ein Mensch Christus voll und ganz vertraut und der Heilige Geist in ihn einzieht. Er gehört dann zu dem Leib Christi, zu dem, was Gott tut. Die Wassertaufe ist dagegen ein sichtbares Zeichen, ein Bekenntnis, ein äußeres Symbol und ein ritueller Akt. Sie ist die Antwort des Glaubenden auf Gottes Handeln und somit ein Zeugnis, jedoch nicht die Ursache der Wiedergeburt.

    In der Kirchengeschichte entstand das große Missverständnis, dass der Mensch durch die Wassertaufe von der Erbsünde befreit werden könne. Dies führte zur frühestmöglichen Taufe, da in ungetauften Kindern die Gefahr des Heilsverlustes gesehen wurde. Es fand eine Sakramentalisierung statt: Die Wassertaufe wurde als heilswirksam angesehen. Sie wurde zu einem magischen Schutzritual. Im Zuge dessen wurde die Geistestaufe in die Wassertaufe „eingebaut” und verschwand als eigenständiger Gedanke. Leider scheint die Geistestaufe auch heute in vielen Kirchen nicht mehr nötig zu sein. Da wird gelehrt, dass mit der Kindertaufe alles in Ordnung sei. Eine bewusste Bekehrung oder eine Wiedergeburtserfahrung seien demnach nicht mehr nötig. Das ist allerdings vollkommen unbiblisch. Im Neuen Testament steht eindeutig: 1. Glaube, 2. Empfang des Heiligen Geistes (Wiedergeburt/Geistestaufe), 3. Wassertaufe als Bekenntnis.

    Trost für alle Nichtbeachteten

    Zachäus wollte Jesus unbedingt sehen; aber er war sehr klein, und die Menschenmenge machte ihm keinen Platz. Da rannte er ein Stück voraus und kletterte auf einen Maulbeerfeigenbaum, der am Weg stand. Von hier aus hoffte er, einen Blick auf Jesus werfen zu können. Als Jesus dort vorbeikam, schaute er hinauf und rief: »Zachäus, komm schnell herunter! Ich soll heute dein Gast sein!«
    Lukas 19,3-5

    Wir haben vor einigen Tagen einen Band erhalten, der von der Schwester des vor einigen Jahren verstorbenen Lyrikers in bayrischer Sprache Reinhard Hauswirth mit Gedichten aus seinem Nachlass herausgegeben wurde. Wir lesen darin mit großer Freude, zugleich auch mit Bedauern, dass ihm zu Lebzeiten nicht die ihm gebührende Aufmerksamkeit zuteil geworden ist. Er war ein großer Sprachkünstler, der die Möglichkeiten des Bayrischen in schalkhafter Weise eindrucksvoll ausgereizt hat. In einem seiner Gedichte heißt es im Refrain:
    I schreib fia mi mei eingne Wäid,
    Schreib ned fia d Leid, schreib ned fia s Gäid!
    Wann i äbbs schreib, buidd i mia ei,
    I daad a gloana Heagodd sei!

    Spätestens bei diesen Zeilen erkennt man, dass es diesem begabten Menschen nicht um die Anerkennung der Leute ging. In all seiner Genügsamkeit fühlte er sich dabei wohl, wenn er für sich und seinen Bekanntenkreis schreiben konnte.

    In der Geschichte des Zachäus sehen wir ein ähnliches Muster. Er war klein, wurde übersehen, stand am Rande. Als Jesus nach Jericho kam, musste er auf einen Baum klettern, weil niemand ihn durchließ. Aber in der großen Menschenmenge sieht ihn Jesus als Einzigen an. Was ist das doch für eine hoffnungsvolle Geschichte für alle, die von anderen nicht beachtet werden, weil sie aus irgendwelchen Gründen nicht im Rampenlicht stehen können oder wollen. Es kommt nicht auf den Beifall der Massen an. Wir dürfen aber sicher sein: Wer sich Jesus zuwendet, wird von IHM auch gesehen.