Andacht Heute

Wege des Erinnerns

Ich gedenke der Taten des HERRN; ja, ich will an deine früheren Wunder denken. Ich will über all dein Tun nachsinnen und über deine Werke reden.
Psalm 77,12-13

Im ersten Band von Marcel Prousts Romanzyklus „Auf der Suche nach der verlorenen Zeit“ taucht der Erzähler eine Madeleine in seinen Tee. Der Geschmack des Gebäcks löst unverhofft eine intensive Erinnerung an seine Kindheit in Combray aus, insbesondere an die Sonntage, an denen er seiner Tante Léonie eine Madeleine brachte. Diese Szene ist so berühmt, dass der Begriff „Madeleine-Effekt“ für ein Geruchs- oder Geschmackserlebnis steht, das plötzlich verloren geglaubte, tief emotionale Erinnerungen hervorruft.

Im Leben erinnern wir uns auf zwei Weisen: Manches kommt zu uns wie ein Geschenk: plötzlich, unverhofft, überwältigend. Das kann ein Geschmack, ein Geruch sein. Es kann auch Lied oder ein Bibelwort sein – und wir erleben einen Moment, der uns geschenkt erscheint. Und dann gibt es die andere Erinnerung: die mühevolle, langsame, tastende. Wir ordnen, wir suchen, wir deuten und versuchen, unserem Leben Form zu geben. Das klingt eher nach Arbeit und erfordert Ausdauer. Manchmal trägt uns also ein Moment, der uns geschenkt wird. Manchmal tragen wir selbst dazu bei durch unseren Einsatz – im Lesen, im Nachdenken, im Gespräch und im Gebet. Ob Geschenk oder Aufgabe: Beide Wege gehören zu unserem Leben. Begreifen wir sie als verschiedene Weisen, die uns zu Gott führen.

Gedanken zum heutigen Tag und ein schönes Lied findest du auf:

Die Grunderneuerung durch den Geist

So verschieden die Gaben auch sind, die Gott uns gibt, sie stammen alle von ein und demselben Geist. Und so unterschiedlich auch die Aufgaben in der Gemeinde sind, so ist es doch derselbe Herr, der uns dazu befähigt.
1. Korinther 12,4-5

    Auch dem natürlichen Menschen, dem der Glaube an Gott noch nicht wichtig geworden ist, wurden bereits eine Reihe von Gaben geschenkt. Das könnten zum Beispiel sein: Intelligenz, Empathie, Organisationstalent, Musikalität, Mut, Sprachfähigkeit, handwerkliches Geschick usw. Wenn durch den Glauben der Geist Gottes hinzukommt, werden diese Fähigkeiten nicht ausgelöscht. Sie werden jedoch auf wundersame Weise verwandelt. So werden sie von Ichsucht, Ängsten und Konkurrenzdenken gereinigt. Dadurch werden sie fruchtbar für andere gemacht, weil sie mit Liebe verbunden sind. Entscheidend ist, dass diese durch den Heiligen Geist veränderten Gaben ganz auf Jesus Christus ausgerichtet sind. So wird aus einem natürlichen Talent eine geistige Frucht. Um ein Beispiel zu nennen: Jemand ist von Natur aus kommunikativ. Unter dem Einfluss des Geistes werden daraus Ermutigung, Trost, Verkündigung und Seelsorge. Der Mensch bleibt derselbe, wird aber neu ausgerichtet. Die Fähigkeiten bleiben dieselben, erhalten aber eine neue Fruchtbarkeit. Es können sogar neue Gaben hinzukommen, wie die Fähigkeit, Geister zu unterscheiden, anderen wichtige Erkenntnisse aus der Bibellese zu vermitteln oder Weisheit zum Ausdruck zu bringen. Du siehst: Der Geist macht aus dem, was du bist, etwas Neues und schenkt dir zugleich hinzu, was du noch nicht warst.

    Konflikte lösen

    In der Welt habt ihr Angst, doch ich habe die Welt überwunden, spricht Jesus, der sündlose Sohn Gottes in seinem irdischen Dasein. Für bekehrte und demütige Christen ist es eigentlich ganz einfach, mit Enttäuschungen umzugehen: Man redet darüber, vergibt einander und versöhnt sich wieder – genau das wünscht sich Jesus von uns. Vergebt einander, so wie auch ich euch vergeben habe – so steht es im „Vaterunser“, das ER uns ans Herz gelegt hat.

    Denn Gott widersteht den Hochmütigen, den Demütigen schenkt ER Gnade.

    In der Konfliktlösung weltweit läuft es oft ganz anders. Man zieht vor Gericht, und jeder versucht, dem anderen die Schuld in die Schuhe zu schieben. „Du bist schuld, dass ich so reagiert habe.“

    Als Christen wissen wir, dass wir immer noch mit weltlichen Dingen zu tun haben. Am besten lernen wir in der Gemeinschaft mit dem HERRN und seinem Wort in geistlichen Kreisen, uns selbst zu prüfen und zu bewähren.

    So haltet euch an die wunderbaren Aussagen von Jesus: Denn wo zwei oder drei in meinem Namen zusammen sind, da bin ich mitten unter euch. (Matth 18,20)

    Jesu Gegenwart ist nicht an große Zahlen, besondere Orte oder perfekte Stimmung gebunden. Sie entsteht dort, wo Menschen sich in seinem Namen verbinden – im Vertrauen, im Hören, im gemeinsamen Suchen.

    Danke HERR für Deine Gnade. Amen