Andacht Heute

Offen, klar und ehrlich

Auch unsere Briefe an euch enthalten nichts, was nicht so zu verstehen wäre, wie es dasteht.
2. Korinther 1,13

Paulus betont, dass seine Briefe klar und verständlich sind und keine versteckten Botschaften enthalten. Es steht nichts „zwischen den Zeilen”, alles ist geradeheraus. Die Gemeinde soll seine Absichten erkennen können. Damit tritt er für eine transparente und wahrhaftige Kommunikation ein.

Wir können daraus zweierlei ableiten. Einerseits sollten wir nicht zu viel in die Briefe hineininterpretieren. Die Worte des Paulus müssen wir ernst nehmen, also genau lesen und prüfen, was er meint und was das für uns bedeutet. Wir sollten uns jedoch hüten, vorschnell unsere eigenen Ideen in die Texte hineinzutragen. Als Beispiel, wo das geschehen ist: In 1. Korinther 11,2–16 geht es um die Frage, ob Frauen beim Beten den Kopf bedecken und warum Männer dies nicht tun sollen. Manche Traditionen haben daraus ein zeitloses moralisches Gebot gemacht, obwohl Paulus selbst argumentiert, dass es sich um kulturelle Zeichen von Ehre und Scham zu seiner Zeit handelt. Manche sind sogar so weit gegangen, aus dieser Stelle eine umfassende Lehre über die Geschlechterhierarchie abzuleiten und den Einfluss von Frauen für alle Zeiten zu begrenzen.

Zum anderen zeigt das Pauluswort, wie die Kommunikation in einer christlichen Gemeinde aussehen soll. Sie darf einfach, klar und ohne Hintergedanken sein. Die Leitung sollte durch Transparenz, Offenheit und Nachvollziehbarkeit geprägt sein, nicht durch verdeckte Strategien oder Manipulation. Wo dies nicht der Fall ist, darf das auch zur Sprache kommen, auch wenn es unerwünscht ist. Eine christliche Gemeinde soll ein Ort der Wahrheit sein, an dem das Grundprinzip „Die Wahrheit in Liebe sagen“ (Epheser 4,15) gilt. Transparente Kommunikation ist die praktische Umsetzung dieses Prinzips.

Wenn wir uns ärgern

Erzürne dich nicht über die Bösen, und ereifere dich nicht über die Übeltäter!
Psalm 37,1

In der ARD-Christmette lag statt eines hölzernen Jesuskinds ein erwachsener Mann in einem „Schleimkostüm“ in der Krippe. Wie geht man mit dem Ärger über solche Zumutungen um, ohne bitter zu werden oder gar den Glauben zu verlieren? Ich bin der festen Überzeugung, dass man seine Enttäuschung überwinden kann, wenn man den Ärger ernst nimmt und ihn aber Gott hinlegt. Im Zwiegespräch mit ihm kann man einen Weg finden, der aus der Resignation herausführt. Solche Skandale sollten uns nicht zum Rückzug aus jedem Engagement verleiten. Kritisieren allein hilft nicht weiter. Besser ist es, weiter mitzugestalten, auch wenn unsere Möglichkeiten begrenzt sind.

Gebet:
HERR, lehre mich, klar zu sehen, ohne nur zu verurteilen. Lass meinen Ärger sich in Deinem Sinne verwandeln, um Wege zu finden, sich für Dich einzusetzen.

Licht und Wahrheit

Wer sich jedoch bei dem, was er tut, nach der Wahrheit richtet, der tritt ins Licht, und es wird offenbar, dass sein Tun in Gott gegründet ist.
Johannes 3,21

In seiner Weihnachtsansprache hat der Bundespräsident kürzlich vom „Licht“ gesprochen, das in der Dunkelheit erstrahlt. Er beschreibt Weihnachten dabei als ein Fest, das in dunklen Zeiten Hoffnung schenkt. Den Begriff „Wahrheit” hat er in diesem Zusammenhang nicht erwähnt. Allerdings sprach er auch von Solidarität, Zusammenhalt, Mut, Freiheit und Menschenwürde. Solche Aneinanderreihungen von unzusammenhängenden Begriffen lassen in der Regel ratlose Zuhörer zurück.

Johannes hingegen verwendet die Begriffe „Licht” und „Wahrheit” in einem Atemzug. Weshalb er dies tut, können wir uns mit einer Alltagserfahrung erklären. Stellen wir uns vor, wir würden einen stockdunklen Raum betreten. Wir tasten uns vor und stoßen an etwas. Wir haben keine Vorstellung davon, was um uns herum ist. Plötzlich geht das Licht an und wir erkennen, dass wir gegen einen Tisch gestoßen sind. Wir sehen auch, dass darauf eine Vase steht, die wir leicht hätten umstoßen können. Unsere Erkenntnis lautet: Das Licht hat nichts neu geschaffen, sondern lediglich sichtbar gemacht, was bereits vorhanden war. Dies entspricht dem Wahrheitsbegriff der Griechen. Sie verstanden „Wahrheit” nicht im Sinne von „richtig oder falsch”, wie wir es tun, sondern als das Unverborgene (Aletheia), das, was nicht mehr im Dunkeln liegt, was sichtbar wird. Aletheia bedeutet also nicht „Ich habe recht“, sondern „Ich sehe, was wirklich da ist.“ Wir können daraus die Erkenntnis gewinnen: Wahrheit und Licht gehören zusammen, da beide uns helfen, nicht im Dunkeln zu bleiben – weder über uns selbst noch über Gott. Johannes 3,21 lädt uns ein, Gott als jemanden zu sehen, der Licht macht, damit wir leben können – auch damit alles ans Licht kommen darf, ohne dass wir uns schämen müssen.