Andacht Heute

Der Weg aus der Hoffnungslosigkeit

Der Kranke antwortete Jesus: Herr, ich habe keinen Menschen, der mich in den Teich bringt, wenn das Wasser sich bewegt; wenn ich aber hinkomme, so steigt ein anderer vor mir hinein. Jesus spricht zu ihm: Steh auf, nimm dein Bett und geh hin!
Johannes 5,7-8

Ein Mann liegt seit 38 Jahren am Teich Betesda. Er glaubt, dass er nur dann geheilt werden kann, wenn er zur rechten Zeit – „wenn das Wasser sich bewegt“ – ins Wasser kommt. Offenbar glaubt man, dass nur während dieser kurzen Zeit eine Heilung möglich ist. Nur den schnellsten der Kranken kann es demnach gelingen, in den Teich zu kommen – und da ist er als Gelähmter im Nachteil. Man könnte hier von einem „Betesda-System” sprechen. Die Heilung ist knapp, die Kranken konkurrieren miteinander, die Schwachen verlieren und sagen sich: „Ich habe keinen Menschen.” Natürlich kann man dieses magische System vom Teich Betesda kaum mit unserem modernen Gesundheitswesen vergleichen. Bei uns gibt es eine Krankenversicherung, die auf dem sozialen Gedanken der Solidargemeinschaft basiert. Gewiss, es zeigt inzwischen Schwächen wie Wartezeiten, Fachkräftemangel und Pflegekräfte am Limit, aber noch ist es nicht so, dass grundsätzlich der „Schnellere gewinnt”. Und trotzdem werden auch heute noch Menschen übersehen, beispielsweise wenn sie keine Angehörigen haben, die sich für sie einsetzen.

Die vorliegenden Verse sprechen Menschen an, die sich alleingelassen fühlen. Sie zeigen, dass man seine Hoffnungen nicht in magische Rituale – heute eher in die medizinische Esoterik – setzen sollte und dass man sich nicht ewig in alten Mustern verfangen sollte. Jesus Christus ist in der Lage, ein festgefügtes Illusionssystem zu durchbrechen. Er hat den Gelähmten nicht nach Leistung und Würdigkeit gefragt, sondern ihn ohne Bedingungen geheilt. Warum sagt er am Ende: „Nimm dein Bett und geh hin!”? Wahrscheinlich, um für alle sichtbar zu machen, was er für ihn getan hat. Der Mensch wurde befreit – nicht nur von seiner Krankheit, sondern auch von seiner Hoffnungslosigkeit – und zu einem neuen Leben mit Jesus Christus geführt.

Gastfreundschaft unter Christen

Mein lieber Freund! Du setzt dich sehr für die Brüder ein – sogar für solche, die in eurer Gemeinde nur Gäste sind.
3. Johannes 1,5

    In seinem kurzen Brief lobt Johannes die Gastfreundschaft von Gajus. Dieser hat für ihn fremde, reisende Christen freundlich aufgenommen. Missionare, Lehrer oder Boten konnten nur wirken, wenn sie in anderen Gemeinden versorgt wurden. Wer sie beherbergte, beteiligte sich an ihrem Dienst. Es gab damals noch keine Hotels und keine sicheren Reisewege. Gastfreundschaft bedeutete Schutz, Nahrung und Gemeinschaft. Andererseits waren die Missionare keine reiselustige Egoisten, die es nur auf freie Kost und Logis abgesehen hatten. Sie hinterließen geistliche Ermutigung, indem sie lehrten, predigten, die Gemeindeglieder ermutigten und ihren Glauben stärkten. Das war schließlich der eigentliche Grund ihrer Reise. Darüber hinaus stärkten sie auch die Verbindung zwischen den einzelnen Gemeinden. So überbrachten sie Nachrichten, sammelten Eindrücke und hielten die frühe Kirche so verbunden und lebendig.

    In den Versen 9–10 beschreibt Johannes auch das Negativbeispiel Diotrephes, der „die Brüder nicht aufnimmt”. Noch heute kann es passieren, dass sich Gemeinden abschotten und lieber „unter sich” bleiben wollen. Dadurch verlieren sie an Lebendigkeit und begeben sich in geistige Enge und Isolation. Dabei sind Christen aufeinander angewiesen. Niemand wächst im Glauben allein. Wir brauchen Begegnung, Austausch und Ermutigung.

    Ausgerechnet Petrus gibt Ratschläge zur Mäßigung

    Vergeltet nicht Böses mit Bösem, droht nicht mit Vergeltung, wenn man euch beleidigt. Im Gegenteil: Bittet Gott um seinen Segen für den anderen. Denn ihr wisst ja, dass Gott auch euch dazu berufen hat, seinen Segen zu empfangen.
    1. Petrus 3,9

    Mir gefällt es sehr, wie Petrus seine Überlegungen darlegt. Man merkt, dass hier ein genauer Beobachter seine Schlüsse zieht und seine Empfehlungen den Empfängern seines Briefs weitergibt. Er rät entschieden davon ab, Vergeltung zu praktizieren. Dabei wissen wir, dass Petrus jemand war, dem sein Temperament manchmal durchgegangen ist. Er konnte impulsiv, emotional und manchmal ungestüm sein. So zog er gegen Malchus das Schwert und schlug dem Knecht des Hohenpriesters das Ohr ab. Jesus stoppte ihn sofort und heilte den Verletzten. Petrus wollte in diesem Moment seinen Herrn einfach nur beschützen. Seine überschießende Reaktion war kein Akt kalkulierter Rache oder Vergeltungslust.

    Dieser Petrus war kein Musterknabe, sondern in seinen Reaktionen durchaus kritisierbar. Das schließt jedoch nicht aus, dass er anderen einen Rat geben kann. Vielleicht ist sogar das Gegenteil der Fall. Wer immer brav in seiner Kammer hockt und niemals als Akteur in Auseinandersetzungen in Erscheinung tritt, ist auch nicht in der Lage, auf Dinge hinzuweisen, die in der Natur des Menschen liegen, wie das Bedürfnis nach Genugtuung, wenn man schlecht behandelt wurde. Gerade jemand wie Petrus, der solche Situationen und die damit verbundenen inneren Kämpfe kennt, kann ein besserer Ratgeber sein. In der Malchusgeschichte hat er selbst erlebt, wie Jesus mit ihm umgegangen ist. Er hat ihn nicht verurteilt, nicht bloßgestellt und es ihm nicht „zurückgezahlt”. Jesus hat Petrus aus seinem hochemotionalen Zustand heruntergeholt. Er hat ihn in aller Liebe wiederhergestellt und ihm als brauchbaren Diener Aufträge erteilt. Dabei hat Petrus gelernt, Krisen zu bewältigen, und verstanden, dass Stärke nicht im Zuschlagen, sondern im Aushalten liegt. Seine Worte, die auch uns im Alltag helfen können, haben Gewicht, weil sie durchlebt sind.