Andacht Heute

Wenn wir uns ärgern

Erzürne dich nicht über die Bösen, und ereifere dich nicht über die Übeltäter!
Psalm 37,1

In der ARD-Christmette lag statt eines hölzernen Jesuskinds ein erwachsener Mann in einem „Schleimkostüm“ in der Krippe. Wie geht man mit dem Ärger über solche Zumutungen um, ohne bitter zu werden oder gar den Glauben zu verlieren? Ich bin der festen Überzeugung, dass man seine Enttäuschung überwinden kann, wenn man den Ärger ernst nimmt und ihn aber Gott hinlegt. Im Zwiegespräch mit ihm kann man einen Weg finden, der aus der Resignation herausführt. Solche Skandale sollten uns nicht zum Rückzug aus jedem Engagement verleiten. Kritisieren allein hilft nicht weiter. Besser ist es, weiter mitzugestalten, auch wenn unsere Möglichkeiten begrenzt sind.

Gebet:
HERR, lehre mich, klar zu sehen, ohne nur zu verurteilen. Lass meinen Ärger sich in Deinem Sinne verwandeln, um Wege zu finden, sich für Dich einzusetzen.

Licht und Wahrheit

Wer sich jedoch bei dem, was er tut, nach der Wahrheit richtet, der tritt ins Licht, und es wird offenbar, dass sein Tun in Gott gegründet ist.
Johannes 3,21

In seiner Weihnachtsansprache hat der Bundespräsident kürzlich vom „Licht“ gesprochen, das in der Dunkelheit erstrahlt. Er beschreibt Weihnachten dabei als ein Fest, das in dunklen Zeiten Hoffnung schenkt. Den Begriff „Wahrheit” hat er in diesem Zusammenhang nicht erwähnt. Allerdings sprach er auch von Solidarität, Zusammenhalt, Mut, Freiheit und Menschenwürde. Solche Aneinanderreihungen von unzusammenhängenden Begriffen lassen in der Regel ratlose Zuhörer zurück.

Johannes hingegen verwendet die Begriffe „Licht” und „Wahrheit” in einem Atemzug. Weshalb er dies tut, können wir uns mit einer Alltagserfahrung erklären. Stellen wir uns vor, wir würden einen stockdunklen Raum betreten. Wir tasten uns vor und stoßen an etwas. Wir haben keine Vorstellung davon, was um uns herum ist. Plötzlich geht das Licht an und wir erkennen, dass wir gegen einen Tisch gestoßen sind. Wir sehen auch, dass darauf eine Vase steht, die wir leicht hätten umstoßen können. Unsere Erkenntnis lautet: Das Licht hat nichts neu geschaffen, sondern lediglich sichtbar gemacht, was bereits vorhanden war. Dies entspricht dem Wahrheitsbegriff der Griechen. Sie verstanden „Wahrheit” nicht im Sinne von „richtig oder falsch”, wie wir es tun, sondern als das Unverborgene (Aletheia), das, was nicht mehr im Dunkeln liegt, was sichtbar wird. Aletheia bedeutet also nicht „Ich habe recht“, sondern „Ich sehe, was wirklich da ist.“ Wir können daraus die Erkenntnis gewinnen: Wahrheit und Licht gehören zusammen, da beide uns helfen, nicht im Dunkeln zu bleiben – weder über uns selbst noch über Gott. Johannes 3,21 lädt uns ein, Gott als jemanden zu sehen, der Licht macht, damit wir leben können – auch damit alles ans Licht kommen darf, ohne dass wir uns schämen müssen.

Nächstenliebe in freier Entscheidung

Ich gebe euch ein neues Gebot: Liebt einander! Ihr sollt einander lieben, wie ich euch geliebt habe.
Johannes 13,34

Jesus sprach diese Worte beim letzten Abendmahl. Er nahm Abschied von seinen Jüngern und hinterließ ihnen das Gebot der Liebe. Zweifellos richtet es sich an die Jünger und ihren Umgang miteinander. Damit ist ausgeschlossen, dass Außenstehende mithilfe dieses Verses Christen ein Gesetz zur Nächstenliebe auferlegen können. Wenn dies eingefordert wird und Christen zu grenzenloser Selbstaufgabe gedrängt werden sollen, dann ist dies eine Instrumentalisierung dieses Satzes von Jesus für eigene Zwecke. Er ist keinesfalls ein Freibrief, Christen überfordern oder manipulieren zu dürfen. Ein Christ muss nicht allen Konflikten aus dem Weg gehen, auch nicht, wenn ganz offensichtlich Nächstenliebe von ihm verlangt wird und als Druckmittel benutzt wird. Als Christ sollte man achtsam gegenüber den Nöten seiner Mitmenschen sein. Man hat aber auch das Recht, sich frei zu entscheiden, ob man hilft und wie weit die eigene Hilfe gehen soll. Christliche Liebe schließt Grenzen nicht aus.