Andacht Heute

Weiß-schwarz oder Wahrheit und Lüge

„Wenn ihr bleiben werdet an meinem Wort, so seid ihr wahrhaftig meine Jünger
und werdet die Wahrheit erkennen, und die Wahrheit wird euch frei machen.“
Joh 31-32

Gestern war das der Vers, über den ich im Bibelkreis nachgedacht habe. Die andern Mitglieder bekamen einen anderen Vers, der aber genau zu dem passte, was sie gerade an Antwort brauchten. Das Nachdenken über das Wort Gottes auch das Nachsinnen genannt, ist eine wichtige Zeit um Erkenntnisse zu erhalten, die für unseren Glauben wichtig sind. Was ich dazu schrieb, war folgendes:

Bevor meine Gedanken laut werden: Demut

HERR, schon früh am Morgen hörst du mein Rufen. In aller Frühe bringe ich meine Bitten vor Dich und warte sehnsüchtig auf Deine Antwort.
Psalm 5,4

Es ist bemerkenswert, dass David nicht sagt: „Schon früh am Morgen habe ich alles im Griff.“ Sondern: „Schon früh am Morgen rufe ich – und ich warte.“ Der Morgen ist nicht der Moment der Selbstsicherheit, sondern der Demut. Wir beginnen nicht mit Antworten, sondern stellen erst einmal fest: „Ich brauche Dich, Gott. Ich will mich Dir zuwenden.“

Denn oft ist es genau andersherum: Wir wachen auf, und sofort beginnt das innere Stimmengewirr. „Was steht heute an? Was muss ich schaffen? Was habe ich gestern falsch gemacht? Welche Sorgen melden sich zuerst?“ Wir suchen früh am Morgen nach Orientierung – aber meistens in uns selbst.

David zeigt einen anderen Weg: Nicht zuerst in sich hineinhorchen, sondern zuerst auf Gott hören. „Ich bringe meine Bitten vor Dich und warte sehnsüchtig auf Deine Antwort.“ Das ist kein passives Warten. Es ist ein inneres Ausrichten: „Ich lege meinen Tag in Deine Hände. Ich erwarte, dass Du sprichst – vielleicht leise, vielleicht überraschend, vielleicht erst im Laufe des Tages.“ Der Tag gelingt nicht, weil wir alles im Griff haben. Er gelingt, weil wir ihn mit Gott beginnen.

Der Weg des Vertrauens

Jesus sagte zu Marta: „Habe ich dir nicht gesagt: Wenn du glaubst, wirst du die Herrlichkeit Gottes sehen?“
Johannes 11,40

Vor genau einem Jahr habe ich eine Andacht geschrieben mit dem Titel „Unser Glaube an die Wundertaten Jesu“. Die Auferstehung Jesu ist der zentrale Punkt für unseren Glauben. Wer sie leugnet reduziert Jesus Erlösungswerk entscheidend. Dann wäre das, was er für uns am Kreuz vollbracht hat, nur eine Märtyrertat wie viele, ohne jegliche Konsequenz für die Menschheit. Zum Schluss meiner Andacht habe ich geschrieben: „Seine Taten zu leugnen ist der sicherste Weg, die Herrlichkeit Gottes nicht zu sehen und nach dem Tod nicht in das ewige Leben einzugehen. Lassen wir uns diesen Glauben an die historisch belegten Wunder von niemandem nehmen!“

Wenn wir heute über Wunder sprechen, stehen wir zwischen zwei Versuchungen: der naiven Erwartung, Gott müsse ständig das Natürliche außer Kraft setzen – und der skeptischen Haltung, dass so etwas grundsätzlich nicht sein kann. Doch Jesus lädt uns in einen dritten Weg ein: den Weg des Vertrauens. Vertrauen heißt in diesem Zusammenhang weder „blind glauben“ noch „alles erklären wollen“. Ein verantwortungsvoller Wunderglaube rechnet mit Gottes Eingreifen, ohne es zu erzwingen – und er vertraut Gottes Weisheit, auch wenn das Wunder ausbleibt. Das Vertrauen in Gott bedeutet nicht: „Wenn du genug glaubst, passiert das Wunder.“ Sondern: „Wenn du vertraust, wirst du erkennen, was Gott tut – wie auch immer er handelt.“